Geschichte. Rügen. Lärm im Naturschutzgebiet

Publiziert in Bücher Stories KB

 


Hier im Naturschutzgebiet sollte man Stille erwarten dürfen (nicht, dass wir`s täten, wir leben ja noch!) – aber hier ist vielleicht ein Lärm in der Luft… Man o man. Und die Krachmacher sind keine Autos, keine Kutter, keine Erntemaschinen - es  sind Vögel! Und es ist weder die Nachtigall, und nicht die Lerche, auch rau-+schen keine Wildgänse durch die Nacht nach Norden…, es sind schlicht und einfach Kraniche, die morgens und abends einen Höllenlärm in der Luft veranstalten.
Gut, das hätte man wissen können, wir sind hier in Vieregge, das ist am östlichen Rand eines Gebietes, das sich von Ummanz (eine Teilinsel von Rügen), über die Insel Hiddensee, den Bock (ein Küstenstrich in Mecklenburg-Vorpommern) bis zum Zingst hinzieht. Hier ist von August bis Oktober mit bis zu 40.000 – manche reden auch von 50.000 – Kranichen die größte Kranichkolonie der Welt zu Gast.
Kraniche als groß gewordene Piepmätze zu bezeichnen, würde den Tieren wirklich nicht gerecht. Es sind nämlich ziemlich beeindruckende Vögel, ausgewachsen haben sie eine Flügelspannweite von über zwei Metern und sie sind so um die 5 Kilogramm schwer, also die Kerle; die Damen sind etwas schlanker, natürlich. Bei den Maßen ist es kein Wunder, dass die in der Luft einen ziemlichen Krach veranstalten, ein Jumbo-Jet ist ja auch ziemlich laut.
Über uns ist offenbar ein Flugübungsgebiet der Kraniche, in dem sie den Formationsflug für den weiten Weg nach Spanien und Portugal trainieren.
Einige können es offenbar schon perfekt, so gut halten sie die flugphysikalisch optimale V-Formation ein. Man hat sogar den Eindruck, die haben Spaß an der Sache. Wie beim Sechstagerennen wechselt der Flügelmann (sehr verehrte Damen, auch wenn es sich um Vögelinnen handeln mag, ja ungefähr zur Hälfte handeln wird, bleibe ich hier bei "der" Vogel und seinen Ableitungen), schert aus, lässt sich zurückfallen und ordnet sich hinten ein, während der bislang Zweite die anstrengende Führungsposition im V für einige Zeit übernimmt, aber nur, um sich dann ebenfalls zurückfallen zu lassen. Die Führungsposition ist flugphysikalisch besonders kraftraubend, Kraniche wissen das, deshalb der stete Wechsel, der jeden Kranich mal in die kraftraubende Führungsposition bringt und meistens in einer kraftschonenden „Flügelmann-“Position lässt ("Top Gun" lässt grüßen).
Nun lassen sich aus dem häuslichen Liegestuhl im Garten mit Himmel und Flugschulen über sich, vielerlei Flugformationen beobachten: Einmal das schon beschriebene perfekte V aus meistens 10 bis 12 Vögeln, dann "V´s“"aus bis zu 50 Tieren, die man höchstens als krampfhafte V-Versuche bezeichnen kann: Krumm und schief, ungleich lange V-Arme, abgerissene V-Arme. Daneben gibt es Flugformationen, die nur „Sch…“ sind, weil kein V und kein gar nichts…
Heute habe ich mehrere Fast-Aufflugunfälle beobachtet, die beinahe zu Prügeleien der beteiligten Kraniche in der Luft geführt haben – nee, da brauchen Sie gar nicht den Kopf zu schütteln, also, ich hatte den Eindruck!
Vom Boden aus sieht das echt witzig aus, wenn der Hintermann plötzlich die Luftnotbremse zieht, um nicht in den Vordermann hineinzufliegen und den dann in seinen Vordermann hinein zu stoßen...
Verehrte gender-gerecht-orientierte Leserinnen, Sie verstehen jetzt, warum ich bei „Flugmann“ geblieben bin, man hätte mir spätestens an dieser Stelle der Beobachtungen unterschoben, ich würde keine Blondinen mögen, erst recht keine am Steuer (was in München sogar zutrifft, wenn diese Damen ihren SUV nicht einmal vorwärts in eine Parklücke hineinbekommen… Aber wir waren ja beim Fliegen und bei Vögeln, kommen wir also wieder zu unseren Kranichen): Hier wird vom späten Morgen bis in den frühen Abend fleißig V-Fliegen geübt. Ich habe auch den Eindruck, dass sich das Flugvermögen der Kraniche in den letzten Tagen deutlich verbessert hat – klar, wir hatten gutes Flugwetter: Sonnig mit einigen Wolken, 4 bis 5 Windstärken (ohne Böen) – da fliegt sich`s gut und leicht, denke ich mir. Also, wenn ich Kranich wäre, bei dem Wetter würde ich fliegen wollen. Aner nur wenn ich nicht gerade fressen würde. Fressen ist natürlich auch wichtig, schließlich braucht man Kraft für den Non-Stop-Flug von Groß-Rügen bis Spanien (sowohl die Hiddenseer, als auch die Bockster und Zingster und schließlich die Portugiesen mögen mir verzeihen, das ich sie hier nicht aufgezählt habe, aber man kann nicht immer alle Beteiligten nennen – auch bei Bayern München werden meist nur Ribery und Robben und – wenn er denn spielt – Schweinsteiger* genannt…).
Ich denke mir, dass die alten Kraniche, also die, die schon zwei oder dreimal in Spanien (ja, ich weiß, und Portugal) waren, der jungen Brut das Formationsfliegen beibringen.
Aber die Doofen können nicht nur die Jungen sein, auch ein paar von den Alten müssen das Formationsfliegen offenbar jedes Jahr neu lernen…
Ich stelle mir das so vor: Jede Formation – nennen wir sie einmal Staffel – hat natürlich einen Staffel-Capo, der hat das Schnattern (ich meine natürlich das Sagen, aber unter Kranichen wird nun einmal geschnattert). Und der Capo ist für seine Staffel verantwortlich. Wahrscheinlich treffen sich die Staffel-Capos der verschiedenen Staffeln abends am Boden am Bodden und erzählen sich, dass sie in diesem Jahr nun gerade die Allerdümmsten erwischt hätten…, und die würden jedes Jahr dümmer, damals als sie das Fliegen gelernt haben, was alles viel besser... Aber, keine Sorge, dass sie das natürlich noch hinkriegen würden, es seien schließlich ein paar Tage Zeit bis zum großen Abflug…
Die ersten Übungseinheiten, stelle ich mir vor, werden vermutlich am Boden stattfinden – nennen wir es Positionsstehen; dabei muss jeder Kranich seine Startposition (in der Luft) erst einmal am Boden einnehmen. Das wird schwierig genug sein für den Capo, bis er alle da stehen hat, wo er sie haben will (ja, meine gender-gerecht-orientierten Damen, es kann auch eine Capeuse sein! Von mir aus).
Garantiert werden zwei oder drei Kraniche zum Positionsstehen zu spät kommen, andere interessieren sich mehr für das leckere Gras am Positionsstehplatz, dem sie nicht widerstehen können, und wieder andere werden irgendwelche alten Geschichten ´rumtröten (Sie erinnern sich an den anfangs erwähnten Lärm, den die Vögel zu machen im Stande sind?), die sie bei dem berühmten Sturmflug vor drei Jahren über den Pyrenäen erlebt haben, als nur drei von 20 gestarteten Vögeln durchkamen – und das alles nur, weil sie damals… Sie verstehen, liebe Leser?
Schnauze, werden sie vom Capo unterbrochen (eine Capeuse hätte höflich gebeten und wäre schon an dieser Stelle gescheitert), Schnauze habe ich gesagt, stillgestanden an der Position. Ist das etwa eine Position? Ist das etwa eine Haltung? Ist das etwa Gras im Schnabel. Ja, wo sind wir denn hier und so weiter, wer beim Bund war (egal ob männlich oder weiblich) weiss, wie das weiter geht…
Weil ein paar ganz blöde Gänse (unter Kranichen ist „Gans“ ein schweres Schimpfwort) ihre Position nicht finden werden alle losgeschickt, sich einen kleinen Stein zu holen und an die Stelle zu legen, wo ihre Position sein soll. Langes Hin- und Hergerenne, Suche  nach den richtigen Steinen, dann langes Hin- und Hergeschiebe der Steinchen bis die richtige Position gefunden wurde.
Der Capo rennt derweil flügelschlagend um die Staffel. Dann zeichnet er mit einem Stöckchen ein V in den Boden, alle müssen kommen und es anschauen. Das ist unsere Formation erklärt er! Dann ist wieder Formationsstehen angesagt. Jeder muss sich seinen Vorder- und Hinterkranich merken. Anschließend müssen alle (wild schnatternd) durcheinanderlaufen, nur, um und dann wieder ihre Position wiederzufinden.
Schließlich müssen sich alle beim Durcheinanderlaufen die Augen mit den Flügeln zuhalten und ihre Position „blind“ finden – Nachtflugübung nennt der Capo das, weil wir auch nachts fliegen, ohne Positionslichter. Top Gun weiß, wie schwierig das ist! Und wehe, ein Kranich bescheißt und pliert durch die Flügel… Ja, das gibt Ärger und mindestens eine Stunde Strafpositionsstehen.
Endlich, endlich heißt es, aufgemerkt, in dieser Formation will ich euch in der Luft sehen und jetzt Abflug und Einnahme der Position in 30 Sekunden, Flughöhe 100 – ab jetzt!
Allgemeines Geflatter (Lärm!), Durchstarten, Kraniche rauschen durch die Luft (Achtung, auch wenn Sie jetzt mitsingen wollen, es geht weder um Gänse, noch in der Nacht!), finden sich in Flughöhe 100 ein (Noch ein Hinweis: Flughöhe 100 reicht, Kraniche rechnen nicht in Metern!). Ein trompetenartiges Tröten des Capos und die Kraniche nehmen ihre Position ein. Jetzt ist es endlich ein Positionsfliegen, zumindest ein Versuch, aber kein Positionsstehen mehr wie am Boden…
Das V sieht zunächst wieder grauenhaft aus, der Capo ist entsetzt – er fliegt leicht außerhalb und oberhalb des V´s, um die Formation zu überwachen. Großer Kranich, denkt er (ein Mensch würde an dieser Stelle entweder Mein Gott denken oder gotteslästerlich fluchen), was soll das denn sein?
Letzteres trötet er auch heraus. Er fliegt zu einem Flügelmann und schnauzt ihn an, ob das etwa eine "Position" sei? Der fällt fast vom Himmel, weil er vor Schreck das Flügelschlagen vergisst… Fliegen, brüllt ihn der Capo daher an, Fliegen geht mit Flügeln, ohne geht das tragisch aus…
Dann muss er zwei Kraniche zusammenscheißen, die sich im Flug Witze erzählen und deshalb die anderen vor Lachen  aus der Reihe fliegen.
An dieser Stelle sollte eigentlich das Gespräch von mehreren Kranichinnen kommen, die sich während der Flugversuche über Nestbau, Nestpflege und das Eierlegen unterhalten. Aber die Redakteursgattin meinte nur süffisant, wenn DU meinst, DU könntest dich in Eier legende Kranichinnen hineinversetzen… Um den Familienfrieden im Urlaubsdomizil zu erhalten, verzichtet der Redakteur an dieser Stelle auf diesen Teil der Geschichte, schade.
So geht das den lieben langen Tag, starten, V-Fliegen, landen, starten, V-Fliegen und dabei Schnabel halten - unterbrochen nur, wenn unten ein leckeres Feld zur Rast lädt. Ich hatte schon erwähnt, auch das Dickfressen gehört in der Gegend zwischen Ummanz und Zingst dazu. Auch gilt unter Kranichmännchen ein rundliches BBW-Weibchen als besonders schön, welches sie gerne unter Abschmettern von Liebeströtern umfliegen (glaube ich, das ist aber wissenschaftlich ausnahmsweise nicht belegt, aber nur vom Schreien der Capos bzw. Capeusen kann der unsägliche Lärm nicht kommen. Außerdem heißt es. SEX SELLS, Sie verstehen?).
Das gibt natürlich schon wieder Ärger mit dem Capo, kommt bei den Kranichinnen aber gut an. Erklären würde es aber einige der abstrusesten Luftbilder, die ich beobachtet habe. Vielleicht ist das Beinahe-von-hinten-Auffliegen ja auch gar kein Unfall, sondern ganz etwas anderes?
Das ist natürlich nicht alles, was sich in der Luft so abspielt, aber irgendwann sind die V´s in Ordnung und der große Flug gen Süden kann kommen. Eines Tages im Oktober sind plötzlich alle Kraniche weg. Und himmlische Ruhe herrscht im herbstlich-nebligen Naturschutzgebiet, aber dann sind wir schon lange nicht mehr da… Denn dann ist das Wetter hier ungemütlich, nur für Einheimische zu ertragen, die eh nix anderes kennen. Und im März rauscht es wieder in der Luft, dann kommen die Kraniche (nicht alle! Wir gedenken denen, die es in Portugal als sog. "delicioso grande pássaro de Rügen" [= "leckerer großer Vogel aus Rügen"] nur in die Töpfe der Einheimischen geschafft haben, in einem Moment der Stille... Wenn Sie sich bitte kurz erheben wollen… Danke, setzen!) zurück aus dem Süden, sie bleiben nur kurz, um hier zu schnattern und zu fressen, und fliegen dann weiter in ihre Brutgebiete im Norden (und der ist weit). Und dann ist da die Hölle los. Aber das ist nicht mehr unsere Geschichte.
Aber - und das ist dann wieder unsere Geschichte - im nächsten August ist hier wieder die Hölle los.


* Zu der Zeit hat Schweinsteiger noch gespielt, und zwar bei Bayern, noch nicht bei Mourinho nicht gespielt


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Geschichte & Kurzkrimi. Der Gurkenmord

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Klaus Bock
Der Münchner Gurkenmord

Eine aberwitzige Geschichte vom Hübnerplatz, die nicht ganz ernst gemeint ist.

Natürlich muss der Autor aus gegebenem Anlass darauf hinweisen, dass alle Personen (bis auf Frau Z, Frau R. und Herrn F.) und die Handlung, die vor allem, frei erfunden sind!!! Den Laden gibt es dagegen tatsächlich - und erst recht die göttlichen Gurken.


©Klaus Bock, 2014, VEB QUERSTROM


Natürlich kennen Sie die Geschichte vom Münchner Gurkenmord, die war ja lange genug in der Presse, der bunten, der mit den roten Balkenüberschriften, den großen Bildern und kurzen Texten. Aber man weiß ja, dass man denen nicht alles glauben darf – oder besser: Nichts! Sie werden sehen …
Und natürlich gibt es eine andere Version dieser Geschichte, die richtige. Die würde ich Ihnen gerne erzählen. Auf die Gefahr hin, dass Sie hinterher enttäuscht sind, weil alles nicht ganz so sensationell war… aber diese Variante hat den Vorteil, dass sie wahr ist. Total wahr. So wahr mir…, gut, mir ist wenig heilig, deshalb vielleicht lieber „beim Leben von Tante Greten“!
Ich muss ein wenig ausholen, damit Sie alles wissen, nur so können Sie´s begreifen.
Also, wo fange ich am besten an. Vielleicht im Sommer letzten Jahres. Da waren wir, Monika und ich, im Urlaub auf Rügen. Oben links, kurz vor Kap Arkona. Ich hatte an dem Tag Küchen- und Kochdienst. Nun kann ich einigermaßen kochen, für den Hausgebrauch geht´s. Nur ein paar einfache Gerichte, die ich mir von Muttern abgeschaut habe, aber die schmecken auch: Rinder-Rouladen, Frikadellen, Kartoffelsalat (die schleswig-holsteinische Variante mit Mayonnaise), Frische Suppe, Königsberger Klops, gefüllte Tomaten, Kotelett mit Bohnen – solche einfachen Sachen. Die komplizierten Gerichte muss eh Monika kochen, damit sie gut werden.

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Geschichte & Kurzkrimi. Ich der Killer

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Aus unser Serie „UNGEWÖHNLICHE BERUFSBILDER VORGESTELLT“: Ich. Der Killer. Eine wahrlich absurde Geschichte


Der Beruf des Killers, des Mörders, dürfte („gefühlt“) zu den zweitältesten Berufen der Menschheit zählen. Diverse Literatur-, Theater-  und Filmgattungen leben von der Beschreibung des Berufes. Dieser literarische Bogen spannt sich (mindestens) von der Bibel  über Shakespeare  bis zu Tom Clancy . Insofern ist anzunehmen, dass der Beruf in der Bevölkerung imagemäßig bestens positioniert ist.

Trotzdem tut sich die Branche schwer, geeigneten professionellen Nachwuchs zu finden – Amateure versuchen zwar immer wieder, als Quereinsteiger in den Beruf zu finden, im Regelfall scheitern sie aber nach dem ersten (bis maximal dritten) Mord kläglich und enden vor den Schranken von irgendwelchen Gerichten. Nach der Verbüßung von Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren in einschlägigen Fortbildungseinrichtungen ist ein Wiedereinstieg in den Beruf dann fast unmöglich. Und nur in Ausnahmefällen (mir ist eigentlich keiner bekannt) wird die Position freigehalten.

Ich muß zugebene, auch für den professionellen Killer ist das Leben nicht immer so glamourös, wie es Filme und Romane zu schildern versuchen.

Denn man lebt einsam als Mörder, ehrlich!

Manchmal bedaure ich es schon, dass ich mit Freunden und Nachbarn nicht so über meinen wahren Beruf oder meine Berufung reden kann, wie es andere problemlos tun können.

Diese anderen erzählen auf Familienfeiern, auf Parties (gibt es die noch?) oder in Kneipen Geschichten aus der Firma – und wenn sie mich fragen, was ich denn heute so erlebt habe, kann ich nicht sagen, dass ich heute einen oder manchmal sogar zwei Jobs zur besten Zufriedenheit erledigt habe; das geht gar nicht, nicht einmal nicht im engsten Kreis. Ich habe dann eine amze Latte von "normalen Geschichten" aus dem "normalen Leben" parat, die ich in solchen Situationen zum Besten geben an - andere haben sie irgendwann erzählt und ich habe sie aufgeschnappt...

Außerdem würden die mir nie glauben: „Komm, hör auf“, würden die anderen sagen, „du immer mit deinen Lügengeschichten und Döntjes …! Die kennt man ja, und jetzt das, nee, vergiss es“, würden sie sagen und sich dabei weglachen wollen, „Killer? Duuu, ausgerechnet? Du spinnst ja!“. Mindestens.

Wahrscheinlich sehe ich weder so gut noch so gefährlich aus, wie andere sich einen richtigen Killer vorstellen.

Mit einem Aussehen á la Alain Delon - Gott habe ihn selig, er ist doch tot, oder? - kann ich leider nicht dienen und, nein, Hut und Trenchcoat trage ich auch nicht, das wäre viel zu auffällig heutzutage, und mit Charles Bronsons pickeliger Gesichtsgefährlichkeit kann ich aussehensmäßig genauso wenig mithalten wie mit Jürgen Prochnow. Leider habe ich in der Pubertät nicht unter Akne gelitten.

Wahrscheinlich liege ich aussehensmäßig irgendwo dazwischen, im Mittelfeld der Durchschnittlichen, der grauen Mäuse, der ganz Unscheinbaren – was für einen echten Auftragskiller natürlich viel besser, sogar unbezahlbar ist. Natürlich, ist doch einsehbar: Man, sonst würde ein eventueller Zeuge sich an einen Mann am Tatort erinnern, der wie Delon, Bronson oder Prochnow aussah. Und das wäre dann ich. Nein, besser nicht.

Ein wichtiger Hinweis für potenzielle Nachwuchskräfte, die sich für unseren schönen Beruf interessieren: Unsichtbarkeit gibt es nicht, Unerinnerbarkeit schon, und die ist in dem Beruf ein großer Vorteil.

Zurück zu meinen Bekannten und Nachbarn - der Durchschnittsfreund resp. –nachbar hätte/hat nach meiner Erfahrung/Einschätzung wenig Verständnis für unsereinen, wenn er von meinem Beruf wüsste.

Vielleicht hätten die auch nur Angst? Ich weiß nicht, aber eine eventuelle Angst verstehe ich beim besten Willen nicht: Ich tue doch niemandem etwas, im Grunde meines Herzens bin ich ein netter Kerl, ein guter Nachbar, Tierfreund bin ich auch, ich erschlage weder Spinnen noch Fliegen – außer ich habe einen Auftrag (nicht für Spinnen oder Fliegen!). Und auch dann meine ich das Ereignis ja auch nicht persönlich, i.d.R kenne ich mein Opfer nicht, es ist mir persönlich egal - ich bin ich ja nur der „Zeigefinger, der gekrümmt wird“. Und wenn ich es nicht machte, würde es ein anderer tun. Also?

Zugegeben, der Scharfrichter war früher auch nicht unbedingt ein Liebling der Gesellschaft. Dabei brauchte es ihn damals so, wie es heute uns braucht, uns, die Killer, durchaus. Die Gesellschaft braucht uns immer noch.

Wir sind so etwas wie die Sozialmüllmänner der Gesellschaft, wir beseitigen den menschlichen Müll, wo oder wenn die Gesellschaft noch zögert.

Und von diesem Müll gibt es mehr, als der Durchschnittsfreund/-nachbar glaubt. Der denkt immer, die junge Familie eine Etage drüber, die ist Abschaum … Weit gefehlt, die hören bloß etwas lauter Musik, oder die haben zwei kleine Kindern, die mal durch die Wohnung rennen. Sie, solche Nachbarn sind doch reines Gold, lassen Sie sich das von mir sagen, ich kenne den wahren „Müll“ (den würden Sie nicht einmal mit Handschuhen anfassen wollen), ganz anders als der Müllmann, der einmal die Woche vorbeigefahren kommt, der kennt nur Abfall (in Tüten).

Wer, wenn nicht ich, soll sich denn sonst um den Mann kümmern, der seine Frau jahrelang immer wieder schwer vertrümmt hat? Die Frau, die sich nie gewehrt hat, weil er sonst noch viel stärker zuschlagen würde? Nein. Die Frau, von der erwartet wird, dass sie behauptet, sie liebe ihn trotzdem? Nein. Sie? Nein, Sie schließen doch lieber die Augen, wenn Sie sie mit ihrem blau geschlagenen Gesicht sehen. Aber eines Tages hat er dann einmal zuviel zugeschlagen.

Dann kommt sie zu mir. Hoffentlich. Wenn ja, endlich. Sie bittet mich um Hilfe. Aber nicht, um ihn anzuzeigen, das traut sie sich nicht mehr. Auch wegen Ihnen, dem netten wegschauenden Nachbarn … Sie will, sie muss ihn endlich loswerden. Endgültig. Und dann komme ich. Und ich kümmere mich …

Ich komme ins Spiel, wenn sich individuelles Gerechtigkeitsempfinden und staatlich sanktioniertes Recht nicht mehr in Einklang bringen lassen.

Von wegen „Müll“: Hier bei uns um die Ecke leb(t)en ein paar junge Kerle, die das Quartier terrorisiert haben – sie pressten Schulkindern das karge Taschengeld ab oder überfielen nachts auf der Straße schon einmal Frauen - nur so, zum Spaß, vielleicht vergewaltigen sie sie auch ein bisschen, auch nur so, zum Spaß, und vielleicht glauben sie in ihrer abgrundtiefen Dummheit sogar, die Frau wollte das … (weil sie den Fehler gemacht hatte, höflich zu grüßen).

Die Polizei hat nie wirklich eingegriffen (Sie kennen das: „Keine Beweise“, mehr „Mitgefühl“ (der institutionalisierten Gesellschaft) mit den „armen sozialgestörten Tätern“ als mit den Opfern, eingeschüchterte Zeugen, „das ganze Programm“, würde Dittsche sagen, „das ganze Programm“!). Und wenn wirklich mal einer verhaftet wurde, war der nach einigen Stunden in Gewahrsam wieder frei …, hörte man.

Als ich schließlich mitbekommen habe, dass solcher Terror für einige (Frauen) nicht mehr auszuhalten war, habe ich mich dann um zwei von „denen“ (die Tätern, nicht die Frauen!) gekümmert…

Ich könnte mich eigentlich auch als „Quartiers-Kümmerer“ bezeichnen.

Einen von „denen“ hat man seitdem nicht mehr gesehen, was mich nicht wundert [ ;-)], ein anderer humpelt seitdem mit einem steifen Knie durch die Gegend … Seit meinem – zugegeben durchaus entschiedenen – Eingreifen herrscht nun Ruhe im Quartier. Der, den man in letzter Zeit nicht mehr sieht, hat damals noch ziemlich dumm geschaut, als er mich (den alten unscheinbaren Mann) auf der Straße dumm angemacht hat, und ich dann "reagiert" habe: Kurz, aber keinesfalls schmerzfrei!

Und der mit dem Knie ist höflich geworden: Er hat sogar das Grüßen auf der Straße gelernt, richtig höflich ist er jetzt. Wenn er mich sieht, er wechselt sogar auf die andere Straßenseite! Vielleicht aus Angst um sein anderes Knie, dabei würde ich ich nichts tun, Stand heute.

Der mit dem Knie weiß auch nicht alles (vor allem nicht, wo wann was mit seinem Kumpel passiert ist), nur, dass ich offenbar richtig böse gegen Knie werden kann. Vielleicht ahnt er, dass ich mit dem Verschwinden seines Kumpels zu tun habe, aber er weiß es nicht. Was er offenbar allerdings weiß, ist, dass er lieber den Mund halten sollte!

Er schweigt also, grüßt hastig und höflich und wechselt nach meinem zustimmenden Nicken die Straßenseite. Und glauben Sie mir, wenn ich auf die Straße spucken würde und ihm sagen würde, er solle die Schweinerei gefälligst wegmachen, er würde es tun!

Ach ja, Frauen sind nachts jetzt sicher.

Das mit den beiden Burschen habe ich als soziale Tat betrachtet. Unsereiner ist ja auch Nachbar und Mitmensch, nicht wahr. Man soll ja auch eingreifen und nicht immer feige wegschauen, man soll Zivilcourage zeigen, sagen die Politiker, wenn mal wieder etwas in der U-Bahn passiert ist  – mir ist schon klar, dass die meine Konsequenz im Handeln eventuell nicht gemeint haben.

Die Reaktionsmöglichkeiten der Mitfahrer orientieren sich grob an einer Art Verteilungskurve, glaube ich: Auf der einen Seite die, die gar nichts tun (wenige; der „linke“, flache Teil der Kurve), dann die die mal eben sagen „nun lass den doch mal …“ und die dann wegschauen (viele, der mittige Peak der Kurve) und dann die die eingreifen (wenige, flacher „rechter Teil der Kurve) und schließlich ich, der das Problem final beseitigt (ganz-ganz wenige, ganz rechts außen) – eben eine Verteilungskurve.

Aber ich handele eben richtig, oder ich lasse es sein, ein Mittelding kenne ich nicht. Es sei denn, sie wollen das steife Knie als „Mittelding“ bezeichnen. Ich weiß schon, so wollen die Politiker das dann auch wieder nicht gemeint haben!

Und ich möchte richtig verstanden werden: Ich bin kein Rechter, ich bin nicht für Privatpatrouillien etc. Ich bin für das staatliche Gewaltmonopol. Aber das war eben nicht da, als es gebraucht wurde...

Oder, und jetzt meine ich keinen menschlichen Müll mehr, sondern eine eher tragische Situation, wer kümmert sich denn um die kranke, depressive alte Rentnerin in der Nachbarschaft, die einfach keine Lust mehr hat zu leben, und die nicht mehr warten mag? Die einfach fertig ist mit dem Leben, mit der Gesellschaft? Ich! Denn sie hat ja so gut wie keine Möglichkeit, Gevatter Tod auf die Schippe zu springen. Der scheint sie vergessen zu haben. Dafür, es selbst zu tun, ist sie schon zu müde. Oder ihr Doktor will ihr nicht sagen, in welcher Reihenfolge sie welche Tabletten nehmen soll. Dann mache ich es leicht und schmerzlos für sie, sie merkt das „Hinübergleiten“ gar nicht. Aber sie muss nicht mehr warten, für sie ist es vorbei.

Normalerweise muss meine Arbeit natürlich bezahlt werden, „umsonst“ ist eigentlich nicht drin. Nun, in diesem Fall habe ich mehrfach kostenlos, ehrenamtlich sozusagen, gearbeitet …
Es ist schon so: Grundsätzlich befürworte ich das staatliche Gewaltmonopol, grundsätzlich!
Eigentlich lehne ich ehrenamtliches Arbeiten ab. Wenn Politiker das sogenannte Ehrenamt bejubeln, meinen sie ja nichts anderes, als dass Arbeit kostenlos (gerne von Älteren) geleistet werden soll. Natürlich solche Arbeiten, die normalerweise Kommune oder Staat bezahlen oder mindestens bezuschussen müssten.

Hinzu kommt ja, dass der ältere Ehrenamtliche oft einem Jungen (bezahlte) Arbeit wegnimmt. Stichwort: Jugendarbeitslosigkeit. Nein, ich halte nichts vom Ehrenamt, und schon gar nicht in diesem Fall! Hinzu kommt, dass es in diesem Metier absoluter Professionalität bedarf.
Unter diesem Aspekt berechne ich meine Dienste natürlich. Nehmen wir einmal an, Sie wollen jemanden „ganz weit weghaben, für immer“. Ich mache das für sie. Geräuschlos, unkompliziert, problemlos, gefahrlos! Und ohne Rückfahrkarte für den Betroffenen. Natürlich kostet das etwas. Ich habe ja auch Auslagen.

Erstberatung
Als erstes steht in meinem Leistungskatalog die Erstberatung: Unter anderem wird in dieser Erstberatung geklärt, Ist das „finale Wegmachen“ in diesem Fall tatsächlich die beste Lösung? Nicht die einzige, darum geht es nicht, wes geht um die beste – und um das „Wie“.
Ich mache meinem Auftraggeber klar, wenn ich „final“ sage, dann ist das „absolut final“, also endgültig. Unwiederbringbar. Da gibt es kein Zurück.
Meines Wissens ist aus dem Jenseits keiner je wieder zurückgekommen. Und für den einen, für den das behauptet wird, ist das nicht zweifelsfrei bewiesen, sogar die katholische Kirche besteht in diesem Fall auf Glauben, eine Beweisführung lehnt sie konsequent ab. Sie wird wissen, warum …
Wenn das zuverlässig geklärt ist, dass das Zielobjekt wirklich dauerhaft verschwinden soll, stellt sich die nächste Frage, welche Methoden zur Wahl stehen: Schmerzhafter langsamer Tod oder schmerzfreier schneller Tod? Soll das Opfer etwas davon mitbekommen, dass es stirbt oder nicht? Und wenn ja, wie viel?
Was soll zum Einsatz kommen: Gift, Kugel, Messer, Baseballschläger oder etwas Besonderes, wie zum Beispiel die Garrotte? Ganz ausgefallen und relativ selten gewählt (aber exquisit): Ein japanisches Schwert im Bauch! Mit Umdrehen? Vor allem, wenn ich ein echtes Schwert aus mittelalterlicher japanischer Produktion, ein sogenanntes Tanto, verwende. Weil es schwer ist, an ein tanto heranzukommen, habe ich seit Jahren eines auf Vorrat“.
Die Wahl „Schwert“ (egal ob japanisch oder nicht) ist natürlich ziemlich stilvoll und sehr schmerzhaft. Der Tod tritt langsam ein, es dauert etwas…
Immer wieder – öfter als Sie denken! – stellt sich im Laufe dieser Erstberatung die Frage: Will der oder die Auftraggeber/in dabei sein?
Oder gibt das Opfer selber den Auftrag? Sie stutzen? Doch das gibt es, zum Beispiel bei Krebspatienten im Endstadium. Das ist dann die bekannte Jäger erschießt alt gewordenen Hund-Situation.
Die Erstberatung kann eine Stunde dauern, allerdings nur dann, wenn der/die Auftraggeber/in weiß, was sie oder er will.
Einige kommen mit einem Literaturschinken und sagen, so wie auf Seite 117-120  beschrieben, hätten sie´s gerne. Im Normalfall ist das machbar.
Selbst ein Duell im Morgengrauen kann realisiert werden. Ich habe dann echte Patronen im Lauf, der Gegner/das Opfer (ohne es zu wissen) nur Fakes. Ich bin ja nicht dämlich.
In den Fällen, in denen die Auftraggeber selber mit einer Idee oder einem Konzept kommen, geht die Beratung meistens schnell. Ich prüfe die Machbarkeit und wenn´s geht, kein Problem, lets go!
Ganz nebenbei bemerkt, grundsätzlich ist mir völlig egal, wer der Auftraggeber ist. Mann oder Frau, Firma oder „Vater Staat“ – völlig schnuppe. Politische oder religiöse Bindungen sind mir egal. Genauso, wie es mir egal ist, wer die Zielperson ist, oder wie alt sie ist.
Ich bin nicht Richter, ich bin nur ein ausführendes Organ
Entscheidend ist natürlich auch die Zahlungsfähigkeit des Auftraggebers.
Erstaunlicherweise arbeite ich häufiger für Frauen als für Männer – zugegeben, ich habe in jeder Hinsicht eher ein Faible für Frauen! Andererseits sind Männer oft knauseriger als Frauen und legen bei einer „Hinüberführung“ gerne selber Hand an. Nicht gut! Gar nicht gut! Der grund: Do-it-yourself-Täter werden regelmäßig schnell gefasst. Ich verweise auf Fachfilme wie TATORT, diverse SOKO-Versionen oder ROSENHEIM- oder GARMISCH-COPS.
An die imageträchtigen, ganz großen Aufträge kommt unsereiner als Regional- oder Lokal-Killer eher selten heran. Wenn also irgendwo ein Staatschef oder ein Minister umzubringen ist, kommen in der Regel spezialisierte Kollegen zum Zuge, meist verbeamtete Kollegen, die einen geheimdienstlichen Hintergrund haben. Und wenn sie doch einen von uns aus der zweiten oder dritten Linie nehmen, dann nur, weil sie den dann hinterher auch noch eliminieren … Da ist Vorsicht geboten.
Bei staatlichen Auftraggebern ist allergrößte Vorsicht geboten! Die neigen dazu, den Killer nach getaner Arbeit auch zu entsorgen
Öffentliche Aufträge müssen bekanntlich ab einer gewissen finanziellen Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden, „Hinüberführungen“ fallen in der Regel über diese Grenze. Da kann sich für das Hinüberführen zum Beispiel eines Bayerischen Landrates natürlich auch ein kalabrischer Spezialist bewerben, andererseits kommen wir an Aufträge zum Beispiel in Sizilien … Ich sehe eher ein Problem in der Freizügigkeit rumänischer oder bulgarischer Anbieter. Und ich stehe im Kollegenkreis nicht alleine mit meiner Ansicht.
Solche Aufträge werden heutzutage natürlich europaweit  im Internet ausgeschrieben. Die Internetadressen sind geheim, um sie zu erfahren, müssen Sie Mitglied im Berufsverband EPAA  oder einer seiner nationalen, regionalen oder lokalen Unterorganisationen sein. Sie haben bitte Verständnis, wenn ich die Adresse hier nicht nenne, ich habe ein entsprechendes secrecy agreement unterschrieben.
Früher war es ein Kreuz, als Auftragnehmer (egal ob als Firma oder free lancer) öffentliche Auftraggeber zur schnellen Zahlung zu bewegen. Seit einer Initiative der EU müssen öffentliche Auftraggeber müssen heute ja schnell zahlen
Aber kommen wir zurück zum Durchschnittsmord. Ex oder Exinnen, die sich als Scheidungs“opfer/innen“ betrachten(ich zögere das Wort „Opfer“ in diesem Zusammenhang zu verwenden), wollen häufig den schmerzhaften langsamen Tod des/der Ex, das soll gerne etwas ganz Besonderes werden, manche wollen dabei zuschauen (meist geht das, das kostet natürlich mehr, einfach, weil ich mir dann auch noch Mühe um die Show geben muss), wieder andere wollen nur eine Videokassette…
Wie gesagt, das ist im Berufsbild einfach drin, machbar ist alles. Das ist wie, wenn sie vom Bestatter einen Videofilm von der teuren Bestattung des lieben Gatten ausgehändigt bekommen, nicht anders. Manche Auftraggeber/innen bekommen dann eben zwei Filme.
Einige – ehrlich gesagt, die meisten – brauchen für die erste Beratung doch länger als die eine Stunde. Ich habe in meinen Unterlagen nachgeschaut, im Schnitt waren es doch zweieinhalb Stunden Beratung (um exakt zu sein: plus/minus 100 Minuten).
Die erste meiner Zuwendungsstunden kostet 500 Euro, die folgenden jeweils 250. Ich zeige unter anderem am Beispiel alter Fälle Filme, die alles zeigen, bei denen frau/man erkennt, ob und wie und vor allem wie lange die Opfer gelitten haben.
Nur mal ein eingeschobener Hinweis an die jungen Eleven: Die Papierarbeit, Verwaltungskram und dergleichen, nimmt einen erstaunlich großen Teil meiner Arbeit ein.
Der zahlende Kunde erwartet in der Regel ein individuell erarbeitetes Konzept – da kann man nicht einfach ein paar vorhandene Textbausteine zusammenwürfeln und dann sagen: „Das ist es“.
Hinzu kommt die Arbeit am Computer: Filme schneiden und so. Auch das muss man mögen. Es ist eben nicht damit getan, nur im richtigen Moment den Zeigefinger zu krümmen. Klar, das ist das Highlight, darauf arbeiten wir hin – es ist aber eben nicht alles!
Andererseits bringt der PC auch viele Verbesserungen. Allein der Einsatz von Google Earth vereinfacht die Vorbereitungsarbeiten vor Ort gewaltig.

Wieder andere Kunden brauchen mehrere einleitende Sitzungen, bis sie sich entschieden haben.
Ich hatte mal eine Dame, die wollte an sich selber ausprobieren, wie sich verschiedene Todesarten für ihren Exmann anfühlen. Ich habe sie dann (fast) erwürgt (genauer gesagt, garrottiert), ihr eine subletale Dosis Gift verabreicht (inklusive Mittel, um sich leichter übergeben zu können), sie an einem Oberschenkel mit einem Messer verletzt und ihr am anderen eine leichte Schusswunde zugefügt.
Sie hat sich für ihren (Ex)Ehemann für die Garrotte entschieden (mit gaaanz langsamem Zudrehen!).
Ich habe sie verstanden, die Garrotte war in ihrem Fall eindeutig die beste Wahl. Übrigens war sie „dabei“ dabei. Sie trug einen eleganten Seidenschal um den Hals, um den halsumfassenden blauen Fleck zu verdecken, den sie von der Übung hatte. Es war übrigens einer von den Schals, mit denen sie ihr Ex in guten Zeiten ans Bett zu fesseln pflegte.
Sie sehen, der Kunde ist bei mir König, respektive die Kundin ist meine Königin!
Meine Kundinnen kommen übrigens viel häufiger aus den gehobenen als aus unteren gesellschaftlichen Schichten, oder anders gesagt, ich habe mehr in Solln und Pullach  zu tun als in Riem oder am Hasenbergl .

Vorbereitung
Nach der Beratung kommt die Vorbereitung. Die mache ich alleine, da ist der Kunde nie dabei. Zuviel Gerede. Ich muss mich konzentrieren können. Tatort und -zeit müssen ebenso ausbaldowert und festgelegt werden, wie ein eventuell notwendiger primärer und sekundärer Fluchtweg, gegebenenfalls muss so etwas wie ein Zuschauerplatz eingerichtet werden.
Zur Vorbereitung gehört das Beschaffen der Waffe. Ich setzte nie, nie, nie eine Pistole, einen Revolver oder ein Gewehr zweimal ein. Zweimal – ein absolutes no go. Dasselbe gilt für ein Messer oder einen Strick. Ich würde nicht einmal zwei Opfer denselben Steinbruch hinunterstoßen. Ganz wichtig: Never use it twice, meine jungen Eleven! Zweimal oder sogar mehrfach dieselben Marken an Kugeln – man, das ist so dumm, das fordert die Polizei heraus. Nein, jedes Opfer erhält eine eigene Waffe. So teuer ist das nicht, als dass unsereiner sich das nicht leisten könnte.

Meine erste Wahl: Erschießen
Erschießen aus mehr als 500 Metern Entfernung ist die für uns ungefährlichste Methode, Kollegen würden sagen „die leichteste Übung“: Ein oder maximal zwei Schuss - Knall, bumm und fertig! Und ich bin weit weg vom Ort des Geschehens, gemeint ist, des Sterbens.
Entsprechend ist es auch vergleichsweise kostengünstig.
Sehr schön geht das im Sommer, wenn das nichts ahnende Opfer im Garten auf einer Liege in der Sonne liegt. Man braucht dann nur einen Ort mit freier Sicht auf das Ziel innerhalb eines Radius von bis zu einem Kilometer rund um das Auftragsobjekt. Bei mehr als einem Kilometer schussentfernung wird es dann doch „haarig“, da braucht es besser einen Spezialisten.
Sehr gut geeignet sind natürlich die modernen Arbeitsplätze in Bürotürmen mit Glasfassade. Die verwendeten Geschosse sind so schnell, dass die Scheibe, durch die ich in diesem Falle schieße, gar nicht mitbekommt, dass sie ein Loch hat und (mehr oder weniger) vergisst, in Scherben zu zerplatzen. Voraussetzung ist ein geeignetes Dach oder Fenster in ebenfalls maximal einem bis einskommafünf Kilometern Entfernung .
Nach Lehrbuch schießt killer zuerst ins Herz und dann in den Kopf. Das wird auf allen einschlägigen Akademien so gelehrt, ist also lege artem – ich persönlich bevorzuge ja zuerst den Kopfschuss – für das Opfer ist der weniger schmerzhaft, denn schließlich ist nach dem Kopfschuss kein Gehirn mehr da, das man als solches noch bezeichnen könnte. Und wo kein Gehirn, da kein Gedanke und last but not least kein Schmerz mehr. Natürlich, das Herz zuerst ist auch tödlich, aber die Zielperson kriegt eben doch noch etwas mit … Nun ja, Geschmacksache, zum Schluss entscheidet a) der Auftraggeber und b) die Situation beim Schuss.

„Goes“ und „No goes“
Ich habe oben schon einmal auf eine spezialisierte Website verwiesen, zu der nur verbandsmitglieder Zugang haben.
Wenn ich einen Auftrag erhalte, öffne ich diese Website. In eine Suchmaschine gebe ich den Namen der potenziellen Zielperson ein – denn im Moment ist sie noch „potenziell“. In einer Datenbank sind alle personen enthalten, die ich NICHT „hinüberbringen“ darf: Dazu gehören unter anderem Polizisten, Fußballspieler der hochklassigen Ligen (da zahlen deren Verbände entsprechende Summen) und bestimmte andere Berufsgruppen (z.B. Banker) sowie viele Oligarchen (die zahlen selber) oder Politiker … Sie verstehen das Prinzip? Wer sich als potenzielles Opfer betrachtet, kann sich gegen entsprechende Zahlungen von uns freikaufen. Sie finden das jetzt nicht sozial? Da haben Sie Recht. Nun, betrachten Sie es wie eine Versicherung: Je mehr Sie haben, desto mehr können und wollen Sie versichern. Nur ein Beispiel: Topp-manager sind gegen Fehlentscheidungen versichert, der „kleine“ Mitarbeiter fliegt, wenn er Mist gebaut hat …
Wenn nach meiner Eingabe ein „NOGO“ rot aufleuchtet, darf ich den Auftrag nicht annehmen, das Zielobjekt ist geschützt. Leuchtet dagegen ein „GO“ grün auf, kann ich das Zielobjekt „hinüberführen“.


Preise
Als nächstes gebe ich den ausgehandelten Preis in die Datenbank ein (GO vorausgesetzt). Die Datenbank berechnet, ob ich mich mit meinem Preis im grünen Bereich (Durchschnittspreis im entsprechenden Land  plus/minus 25%) bewege.
Ich darf problemlos sehr viel teurer als der „grüne Bereich“ arbeiten, aber nicht zu billig … Um es deutlich zu sagen. Ich habe eine gewisse Bandbreite beim pricing, die nach oben offen ist.
Stars in unserer Branche – häufig wahre Künstler – können sehr-sehr viel teurer arbeiten. Im Endeffekt entscheidet der Markt …
Es geht bei unserem system ja auch nicht um Preisabsprachen, es geht nur darum, Dumping zu verhindern!
Als verbandsmitglied bin ich verpflichtet, für jeden Auftrag 12,5% der Auftragssumme in eine gemeinsame Kasse einzuzahlen. Aus dieser Kasse bekomme ich bei einem NOGO eine Entschädigungszahlung, die mir zumindest gewisse Mindestauslagen ersetzt.
Normalerweise berechne ich nach dem GO eine Pauschale. Die Höhe orientiert sich (auch!) an der finanziellen Leistungsfähigkeit des Auftraggebers oder der Auftraggeberin.
Im Normalfall kostet der Job 20.000 €, die Luxusversion kann 30.000 € deutlich überschreiten, bei Sonderwünschen und in besonderen Gefahrensituationen (für mich) ist die Summe oben offen. Die oben erwähnten Künstler nehmen teilweise mehr als 100.000 €. Dafür erwarten (und erhalten) die Auftraggeber aber auch etwas!
Zurück zu mir: Hinzukommen können Reise- und sonstige Pauschalen und schließlich die Kosten für die Waffe (maximal 1000 €), die nur einmal verwendet wird.
Da es bei Mord leider noch keine staatliche Verfahrenskostenhilfe gibt, haben wir in Zusammenarbeit mit Kollegen für Deutschland eine Mindestgebühr in Höhe von 10.000 € festgelegt. Von mir aus nennen Sie es eine (verbotene) Preisabsprache oder ein (ebenfalls verbotenes) Kartell. Aber sagen wir es so: Wo kein Kläger, da auch kein Urteil.
Wir müssen uns einfach gegen ein Preisdumping aus dem Osten schützen. Stichwort „Billigmord“! Wir garantieren halt Qualität. Der bulgarische Dumping- oder Billigmörder ist da ganz anders: Eigentlich „stillos“, wissen Sie, der kommt irgendwo aus der bulgarischen Pampa angereist, hat den Ilja Rogoff oder so -Joghurt dabei und verzehrt hier nichts, schießt und verschwindet wieder. Keine Beratung, kein Film, kein Dabeisein, kein „lifestyle“, das überhaupt nicht! Der ballert eine halbe Salve in das Opfer und macht sich hinfort … Gut, das Opfer ist tot, aber sonst?
Nicht umsonst hat sich unlängst ein deutscher Ministerpräsident vehement gegen eine rumänische und bulgarische Armutsinvasion ausgesprochen – er wusste, wovon er redete, er ist nur völlig falsch verstanden und deshalb auch zu Unrecht beschimpft worden. Das wäre ja auch noch schöner, käme so ein Billigwegmacher einfach so her, macht einen oder mehrere Jobs (unterhalb des low budget-Bereiches), geht zum Arbeitsamt und nimmt auch noch unser schönes Hartz-Geld mit, um im Donaudelta die Mäuse tanzen zu lassen.
Die Mitglieder unseres Berufsverbandes dürfen in ganz besonderen (gut begründeten) Ausnahmefällen die Minimalgebühr schon mal unterschreiten. Dann darf es allerdings auch keine irgendwie gearteten Sonderleistungen geben, da gilt: Quick & dirty. Sie mögen sagen, dass Ihnen das schon „ein bisschen bulgarisch“ vorkomme und haben sogar Recht.
Allerdings gibt es auch im low-low-Preissegment Bedarf an unseren Tätigkeiten oder Taten, das darf man ja auch nicht vergessen. Es kann, darf und soll ja nicht so sein, dass gewisse Gesellschaftsschichten von unseren Leistungen ausgeschlossen sind – vor dem Grundgesetz sind alle gleich, heißt es schließlich. Und bevor da jemand vor das Verfassungsgericht zieht … Sie verstehen? Da lassen wir eine Nachwuchskraft schon einmal low-low arbeiten.
Natürlich gibt es dann kein Mitbestimmen der Todesart, kein Zuschauen, kein Film ist bei dieser Minimalst-Pauschale drin. Just dead. Das aber Guaranteed! Und alles mit einer Mindestmenge an Stil, immerhin, aber wir sind halt keine Bulgaren, nicht?

Wenn Sie jetzt stutzen und unsere Leistungen teuer finden, muss ich Sie auf Folgendes hinweisen: Sie zahlen ja auch ohne zu murren den Schuhmacher, wenn er die Absätze richtet, den Maler, der ihre Wohnung renoviert oder den Klempner, wenn er den verstopften Wasserabfluss frei gemacht hat. Und wenn an ihrer Zimmerdecke Stuck hängt, oder wenn es besonders teure Schuhe waren, gehen Sie zum (teureren) Spezialisten!

Problemfall Rechnung
Gut, ich stelle keine Rechnung. Das wäre ja auch komisch, wenn ich da schreiben würde
Prügelnden Ehemann am [Datum]
um [Uhrzeit] in [Ort] durch [Methode]
beseitigt.
„Hinüber“-Pauschale     20.000 €
An- und Abfahrt pauschal     120 €
Obolus für Charon: Fahrt über die Styx    1 €
Gesamtsumme     20.121 €
Bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen 3% Skonto
weitere 2% bei Barzahlung
Ich selber hätte keine Problem damit, eine Rechnung zu stellen. Und im Falle eines Falles  wäre ich auch mein eigenes Inkasso-Büro. Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich habe einfach noch nie Probleme gehabt, an mein Geld zu kommen, nie, wirklich.
Bisher haben alle bezahlt, und zwar sofort!
Mein Hauptproblem bei der Stellung einer Rechnung wäre die Mehrwertsteuer. Es ist meines Wissens vom Gesetzgeber nicht definiert, ob sie für eine „Hinüberführung“ (ich versuche das Wort „Auftragsmord“ wo es geht zu vermeiden) 7% oder 19% betragen soll? Was soll ich da also eintragen?
Der allgemeine Mehrwertsteuersatz beträgt 19%, aber es gibt eben auch den ermäßigten, der gilt zum Beispiel für Essen zum Mitnehmen oder für Mineralwasser. Champagner hat 19% - ich glaube, ich würde 19% nehmen müssen, denn meine Leistung entspricht eher einem Grand Menü oder Champagner als Pizza im Pappkarton oder Mineralwasser, finde ich. Andererseits nehme ich mein Zielobjekt in vielen Fällen ja auch mit, um „ihn“ oder „sie“ an einem versteckten Ort „hinüberzuführen“ – 7%?. Erkennen Sie mein Dilemma?
Dass ich die Honorare versteuern und Sozialabgaben zum Beispiel in die Künstlersozialkasse zahlen müsste, finde ich grundsätzlich normal. Im Rahmen einer Steuerpflicht meiner Leistungen würden die Gebührensätze natürlich entsprechend angehoben werden. Das würde den Auftrag für den Auftraggeber nur geringfügig teurer machen, denn seit ein paar Jahren können Handwerkerrechnungen zumindest teilweise von der Steuer abgesetzt werden.

Auslagen
Stichwort „Auslagen“. Waffen – ich hatte das schon betont – benutze ich grundsätzlich nur ein einziges Mal. Sie sind individuell identifizierbar, das weiß inzwischen jedes Kind über 12 Jahre, das abends TATORT oder andere Filme im Bildungsfernsehen sehen darf. Über eine mehrfach eingesetzte Waffe kann die Polizei auf die damit verübten Taten kommen, wenn sie die Waffe – Gott behüte -  bei mir fände.
Nein, im Kodex, den meine Kollegen und ich erarbeitet haben, heißt es ganz klar und leicht verständlich:  „Jede Waffe darf nur einmal verwendet werden“.
Das gilt übrigens für Feuerwaffen ebenso wie für alle anderen zum „Hinüberbringen“ geeigneten Werkzeuge – wir versuchen, den Begriff Töten zu vermeiden, wo es geht. Was im abendlichen Krimi leider viel zu wenig thematisiert wird, ist, dass Messer oder Bänder/Leinen/Taue ebenfalls eine eindeutige Signatur am …, naja, an der Zielperson eben, hinterlassen. Auch für sie gilt: Nur einmal verwenden!
Krimis im Fernsehen sind nicht zur Fortbildung geeignet
Anfänger scheitern meist an so einfachen Fehlern. So glaubte ein eigentlich netter junger Kollege, der sich auf Erwürgen spezialisiert hatte, er könne sich eine 200-Meter-Taurolle kaufen (die ist billiger als das Tau als Meterware) und dann jeden Meter nur einmal verwenden …
Dumm gelaufen, sie hatten ihn nach dem achten oder neunten Meter (ich weiß die Zahl nicht mehr genau) … Das Tau hatte eine durchgehende Signatur, natürlich! Da hätte er selber draufkommen können.
Ich bin sehr dafür, dass ein striktes Waffenverbot gilt!
Je strikter, desto besser. Ist Ihnen aufgefallen, dass im Fernsehkrimi jeder Trottel jederzeit Zugang zu einer Waffe hat? Jeder, wirklich jeder. scheint eine Waffe im Schrank zu haben! Der Hamburger Philosoph Dittsche, den ich schon ein oder zweimal zitiert habe, würde sagen: „Das ganze Programm! Das ganze Programm …“. Dabei ist das Unsinn – versuchen Sie mal, eine zu kaufen. Selbst ich, oder gerade ich, würde ja nie im Leben auf die Idee kommen, eine Pistole am Bahnhof zu kaufen. Wieso Bahnhof? Fragen Sie doch mal im Kreis ihrer Freunde, wo die eine Pistole kaufen würden. Sofern es bei Ihnen noch einen bahnhof geben sollte und wäre Ihre Stadt zumindest halbwegs groß (so ab 500.000 potenzielle Zielobjekte), sagen mehr als 95% spontan „am Bahnhof!“
Und nun gehen Sie einmal zum Bahnhof … klar, da sitzen zig „verdächtige Typen“ herum (dunkle Haare, dunkler Teint) – und welcher ist jetzt ein Waffenhändler? Sehen Sie?
Und doch, im TV-Krimi greifen ältere Herren gerne zu einem Gewehr, jüngere meist zu einer Pistole, Frauen zum Küchenmesser, Amerikaner auch schon einmal zum Eispickel (gibt es eigentlich noch keine Kühlschränke in den USA?).
Aber: Wie kommt also nun der durchschnittliche deutsche Fernseh-do-it-yourself-Mörder an die Schusswaffe?  Jedenfalls, das ist meine persönliche Erfahrung, nicht am Bahnhof und auch nicht auf dem Flohmarkt. Und was hat er zum Schluss davon? Er wird gefasst! Immer. Ausnahmslos. Das ist politisch so gewollt, dafür sitzen die Politiker in den Aufsichtsräten der Fernsehanstalten und nicht, wie Sie meinen, wegen der hohen Sitzungsvergütungen.
Ich bin noch nicht gefasst worden. Auch nicht nach meiner 50sten Jubiläums-Hinüberführung. Das hat ja seinen Grund, nicht wahr! Könner leitet sich eben doch von Können ab … Und ganz nebenbei bemerkt: Ich schütze meine Auftraggeber durch mein Können. Wenn sie mich nicht finden, finden sie auch meinen Auftraggeber nicht, ist doch ganz einfach. Unter diesem Aspekt ist meine Leistung tatsächlich preiswert.
Aber ich will zugeben, das hat nicht nur mit meinem Können zu tun. Ehrlich.
95% der Kapitalverbrechen werden in deutschen Großstädten aufgeklärt, was nicht anderes heißt, als dass die Polizei am Ende einen Täter präsentiert. Klar, daher wissen die Fernseh-Krimi-Autoren ja auch, dass jeder Mörder gefasst wird.
Die Wirklichkeit ist ein klitzekleines Bisschen anders: Uns Profis erwischen sie nicht! Nie! Sonst – und das ist ein schlagender Beweis – könnte ich dieses Büchlein ja gar nicht schreiben. Oder glauben Sie, die würden mich im Knast …? Nein. Keinesfalls.
Allerdings (und an dieser Stelle tue ich mich etwas schwer,  darüber zu berichten) nicht, weil alle meine Kollegen so schlau, klug oder gut sind, dass sie nicht zu fassen wären, nein, es gibt eine Absprache: Die Gesellschaft braucht uns, will uns und schützt uns deshalb. Klar, dass darüber nicht geredet oder geschrieben wird. Ich denke, ich bin einer der ersten, wenn nicht sogar der Erste, der diesen Deckmantel ein wenig lüftet.
Unsere „Hinüberführungen“ werden aus der offiziellen Statistik also einfach ausgeblendet, über sie wird in der Presse ja auch nicht berichtet. Und das ist auch gut so. Für alle. Die Polizeistatistik bleibt „super“, die Presse muss nichts „Unappetitliches“ berichten und wir Profis können unsere Arbeit in aller Stille machen. Die Preise steigen nicht, weil zu viele Kollegen aus dem Arbeitsleben gerissen werden (und stattdessen Tüten kleben) – die Marktwirtschaft lässt grüßen.

Natürlich versuchen es auch im richtigen Leben immer einmal wieder …, nennen wir sie: „Amateure“, um nicht zu sagen Anfänger, andere „hinüberzuführen“! Und die kriegt die Polizei. Problemlos. Die Anfänger-Amateure werden mit großem Ballyhoo vor Gericht gebracht und verknackt! Kein Wunder! Die Damen Mörderinnen oder Herren Mörder präsentieren sich ja geradezu selber: Motiv, Gelegenheit und Pistole, vor allem die – und schon haben sie sie. Blutige Anfängerfehler!
Und nun stellen Sie sich einmal die Situation vor, jeder und jede könnte im nächsten Waffenmarkt seines oder ihres Vertrauens eine Pistole oder ein Präzisionsgewehr verkaufen und an der Kasse am Supermarkt würde hinter den Gittern keine Zigaretten sondern Munition angeboten werden … „Können sie mal aufmachen, bitte, Fräulein, ich brauche noch 36 Stück 7,62er mit extra hoher Treibladung und eine Zwanziger Packung 22er.“, würde es dann heißen. Die Verkäuferin würde witzig fragen: „Für Frau oder Schwiegermutter?“, und alle in der Schlange würden das auch wahnsinnig witzig finden und „Gutes Gelingen“ oder so wünschen.
Jeder, wirklich jeder Dummkopf könnte dann seinen Mord selber machen. Was für eine kulturelle Verarmung! Das erinnert mich an die Zeit, als es plötzlich preiswerte Desktop-Publishing-Programme für den PC gab, und jeder Trottel glaubte, er wäre jetzt ein Grafiker und könne seine Broschüre selber gestalten … Sie (erinnern Sie sich noch?), damals hat man doch das Lesen aufgegeben, oder? Was da ins Haus geflattert kam, das war doch nur noch …, fast hätte ich jetzt Sch… gesagt. Aber dieser Artikel richtet sich ja vor allem an den Nachwuchs …
Oder, denken Sie einmal an die Zeit, als es plötzlich kostenlos Online-Redaktionsprogramme für Websites gab! Das Ergebnis ist doch der pure Wahnsinn. Seitdem gehe ich nicht mehr ins Internet, ehrlich, und die NSA ist mir so etwas von egal ... Von mir finden die jedenfalls nichts! Ich biete meine Leistung auch nicht im Internet an. Vor allem dank der fürchterlichen selbst gemachten Websites von anderen.
Nein, einen guten, ehrlichen Mord kann man nicht „einfach so“ planen und ausführen. Für einen wahreren Könner ist das „Hinüberbringen“ eine Kunstform! Dafür braucht es Neigung und Talent, Ausbildung, Erfahrung … Der Nachwuchs muss zur kunstvollen Ausführungsform hingeführt werden, angeleitet werden … da kann man nicht einfach so mal „abdrücken“. Und dann „Danke, das war`s …“.
Nein, so einfach kann man, darf man es sich nicht machen. Ich sehe schon den bunt bedruckten Karton aus dem Kosmos-Verlag vor mir.
Aufschrift: „Der kleine Mörder“.
Inhalt: eine Pistole, 12 Patronen und eine Broschüre mit zum Anlass passenden Sprüchen: „Hasta la vista, baby“ oder „Ich mache dir ein Angebot, dem du nicht widerstehen kannst …“ und so, Sie verstehen …  Schließlich enthält der Karton zur Vervollständigung noch einen Klappspaten und ein Metermaß (nur 80 Zentimeter lang) sowie eine Laterne, um das Grab des Opfers (nachts!) in der richtigen Tiefe auszuheben. Nein, meine lieben Anbieter vom Kosmos-Verlag, so einfach kann man es sich nicht machen. Bleibt beim „Kleinen Physiker“, „Kleinen Chemiker“ oder „Kleinem Gen-Designer“, in dem Geschäft kennt Ihr Euch aus …, aber lasst die Finger von meinem Business! Denn das Rumspielen mit einer Pistole ist gefährlich – nicht nur für das auserwählte Opfer (das könnte nur verletzt statt getötet werden, und das will doch niemand), auch für den Neuling kanns ins Auge gehen.
 
Ein Kollege von mir hat sich unlängst für eine spektakuläre Methode entschieden:
„Der Auftrag war, vier bis sechs Zielobjekte, die sich außerhalb der Saison im HOTEL ACHTER´N  DIEK  aufhielten, „hinüberzubringen“. Er hätte sie leicht einzeln erledigen können. Das war nicht spektakulär genug (der Auftraggeber, ein international tätiger Konzern wollte mit dem Tod auch eine unmissverständliche Botschaft versenden). Mein Kollege wählte etwas anderes. Er füllte die Ladeschaufel einer riesigen Raupe oder eines Ladeschauflers mit 3 Kubikmeter Dieselöl in großen Kanistern, mit 200 Liter Superbenzin und einigen Gasbomben, Ammoniumchlorid-Dünger sowie etwas Phosphor und feinst gemahlenes Aluminiumpulver. Die Raupe steuerte er in das Hotel und zündete das ganze explosive Zeug ferngesteuert. Sie das hat einen Rumms gegeben, den hat man (mindestens) bis Husum gehört!“
Die Botschaft wurde verstanden, der Konzern wurde nicht mehr erpresst!

 
Die erforderliche Waffe kauft der Fachmann natürlich beim Fachmann, nicht über Amazon oder EBay im Versandhandel. Dieser Fachhandel hat normalerweise kein Schild an der Tür, das darauf hinweist, dass hier professionelle Waffen verkauft werden, also, ich meine, Waffen für Profis.
Dass die Tschechische Republik und Polen jetzt zur EU gehören, und dass es keine Grenzkontrollen mehr gibt, hat uns von der M-Gilde den Job sehr erleichtert. Ich habe dort seitdem liebe Freunde gewonnen, mit denen ich auch schon einmal stimmungsvolle Weihnachten feiere, bei denen ich eigentlich immer einkaufe. Neuerdings bietet mein tschechischer Händler sogar Abonnements an, ich bekomme seitdem jeden Monat ein bis drei Waffen zum Sonderpreis, neue Angebote im Markt kann ich vor Ort testen!
Profis wissen, was Profis wollen!
Ich habe mich übrigens, ich glaube, ich erwähnte es schon, auf das „Hinüberbringen“ per Schuss spezialisiert. Das ist sauber, geht schnell und ich muss mich dem Hinüberzubringenden auch nicht zu weit nähern. Ich mag das nicht, wenn mein Opfer mich anfassen kann oder könnte, also meine soziale Nahdistanz unterläuft. Ich weiß, ich bin da etwas eigen, Kollegen von mir, vor allem solche, die mit Messer oder Tau arbeiten, können mich da gar nicht verstehen. Mir ist das egal, ich habe es so lieber.
Der durchschnittliche Killerkollege schätzt auf kurze Entfernungen unter vier Metern Schussdistanz natürlich das elegante kleine Kaliber: Die 22er Pistole ist – vor allem mit Schalldämpfer - leise und – wie gesagt – vergleichsweise elegant. Die 22er Kugel fliegt durch ein kleines, sauberes Loch in den Schädel hinein, hat aber nicht genug Energie, den Schädel auf der anderen Seite wieder zu verlassen. Andererseits hat sie aber noch genug kinetische Energie, um ein paar Mal im Schädel hin und her zu prallen und dabei das Gehirn zu „versuppen“. Danach heißt es dann:  „Auftrag ausgeführt!“
Ein Bekannter von mir schwört dagegen auf die „Kleine Walther“, Kaliber 7.62, weil er die immer am Mann haben kann, denn, sagt er und hat mir das auch gezeigt, diese Pistole passt wirklich in jede Hosentasche.
In Romanen liest man von Kollegen, die eine Glock oder eine Walther PP einsetzen. Gut, auch für diese Waffen mag es gute Argumente geben. Mir sind sie zu groß und zu schwer. Fragen Sie, wenn Sie einmal die Gelegenheit bekommen [zum Beispiel an TAGEN DER OFFENEN WERKSTATT oder IN DER NACHT DER KILLER (das ist so etwas wie DIE NACHT DER MUSEEN)], einen Kollegen, ob sie seine Glock in die Hand nehmen dürfen. Sie werden merken, ein wie schweres Werkzeug das ist, vor allem mit einem gefüllten Magazin. Damit können sie einen Nagel durch die Wand schlagen. Und Kraft brauchen sie, viel Kraft! Warum, fragen Sie? Sie meinen, Sie wollen ja nur ein wenig Schießen und nicht Schlitten fahren? Das will ich Ihnen gerne erläutern: Zum Beispiel, um durchzuladen, Sie, da müssen sie am Schlitten ziehen, das ist fast unmenschlich … Ein jüngerer Kollege, der fast ausschließlich mit der Glock arbeitet, hat mir erzählt, er habe sich in Afghanistan an diese Waffe gewöhnt. „Wenn sich ein auf ihn schießender Taliban hinter einer Mauer versteckt hatte“, hat er gesagt, „hast du eben erst einmal drei Kugeln in die Mauer versenkt – dann war die weg (die Mauer), und dann hast du dich um den Taliban gekümmert. Der war dann auch bald weg, für immer …“.
Unter solchen Bedingungen zu arbeiten ist natürlich nicht einfach, da verstehe ich die Wahl einer so schweren Waffe. Aber die ist so schwer, die musst du im Holster am Oberschenkel tragen, in der Hosentasche geht da nichts mehr. Und hier, denke ich mir, kommt es ja selten vor, dass sich ein „Zielobjekt“ hinter einer Mauer versteckt. Wenn das so ist, hast du vorher, grobe handwerkliche Fehler gemacht!
Mir ist das zu kraftaufwendig, meine kleine alte Walther geht da viel leichter, ist meines Erachtens für den älteren Killer die angebrachte Waffe.
Und ich brauche auch nicht die 9 mm-Patronen, mit denen man sogar einen World-War-II-Panzer gestoppt hätte, naja, das mag leicht übertrieben sein.
Der Laie wundert sich normalerweise, wenn er hört, das wir Profis auch auf 1000 Meter oder mehr schießen – nicht gerne, zugegeben, das muss man können. Ehrlich gesagt, wenn mir ein Fall unterkommt, wo ich auf mehr als 500 Meter schießen muss, engagiere ich einen spezialisierten Fachkollegen. Die Jungens können wirklich schießen. Auch die Technik ist faszinierend: Allein das Zielfernrohr, „Spektiv“ sagt der Fachmann, ist ein wunderbares Stück Handwerkskunst, das man gar nicht mehr aus der Hand geben möchte. (Man bekommt es aber nur sehr selten in die Hand, das nur nebenbei.)
Und dann das Gewehr mit dem überlangen Lauf, auf das mein Spezialist gerne noch einen Schalldämpfer aufsetzt, und das er mit einem Tuch umwickelt, damit es kein Licht spiegelt und aus der Entfernung nicht durch Zufall entdeckt wird – alles das ist irgendwie beeindruckend, wirklich. Mein Spezialist schießt am liebsten im Liegen, andere, ich glaube, es ist die englische Scharfschützenschule, schießen im Sitzen (am Boden) und stützen das Gewehr auf ein Knie. Treffen tun sie alle. Einmalig.
Also, wenn mich mal einer umbringen wollte und ich mir die Todesart aussuchen dürfte, dann würde ich mir den Tod durch eine Scharfschützenkugel wünschen, ehrlich. Das ist wahre Kunst, finde ich.

 
Lehrberuf Killer
Killer ist ein Lehrberuf – sagen de einen.
Killer lernt man on the job – sagen die anderen.
Ich bin dafür, es es Lehrberuf zu betreiben. Aber nicht im hoch gelobten deutschen dualen System, also einerseits im Betrieb, wo man das handwerkliche lernt, und andererseits in der Berufsschule, wo es um die theoretischen Grundlagen geht, zum Beispiel die Kugelabdrift bei Wind oder so.
Nein, ich meine die mittelalterliche Art, mehr so im Sinne einer Gilde, wo ein Meister sich eines selbst ausgewählten Lehrbuben annimmt, um ihn über vielleicht 10 Jahre auszubilden und irgendwann zu sagen: „So, Junge, jetzt kannst du alles, was ich kann. Du bist bereit für die Welt.“. Um ihn dann mit einem Klaps und einem Geschenk, wie einer wahnsinnig tollen Pistole oder einem Präzisionsgewehr in die Welt hinaus zu schicken, wo sich der (jetzt) Geselle bewähren darf.
Welche Voraussetzungen muss so ein Eleve mitbringen? Nun, sicherlich eine gewisse Grundruhe oder Stressresistenz. Man muss die Veranlagung haben, nicht schnell nervös zu werden, man muss Belastung aushalten können. Darauf kann man aufbauen. Weiterhin sollte der Nachwuchs ein gewisses technisches Grundverständnis mitbringen, sowie Interesse an Psychologie und Anatomie. Vor allem an Anatomie! Das wäre es schon. Den Rest lernt man beim Meister.
Im Spielfilm – insbesondere im französischen film noir -  sind erfolgreiche Killer häufig seelenlose Non-Empathen, also Menschen, die überhaupt kein Gefühl (mehr) kennen. Ich betone: Das ist nicht notwendig. Ein gewisses Gefühlsleben braucht man schon deshalb, um sich in bestimmten Situationen in die Zielperson hineinversetzen zu können. Dass es in anderen Situationen dagegen hilfreich sein kann, seine Empathie abschalten zu können, ist davon unbenommen.
Ich selber habe im Grunde zu spät angefangen: Erst Abitur und Studium, dann jahrelang in einem Büro rumgesessen …
Mein erstes Opfer habe ich mehr durch Zufall mit dem Auto erwischt, da war ich schon Fünfzig. Ich habe gemerkt, dass es mir leicht gefallen ist … Auch das Wegbringen der Überbleibsel hat mir nichts ausgemacht, ganz im Gegenteil, hinterher, als er vergraben war, habe ich es aufregend gefunden.
Die nächsten Opfer waren entfernte Verwandte, solche, die mir zur Hochzeit wirklich nichts, gar nichts geschenkt hatten. Meiner Frau war damals entsetzt gewesen. Als sie gestorben war, habe ich diese miesepetrigen Großonkel und -tanten „hinübergebracht“.
Dann kam eine alte Ex-Nachbarin, die nicht mehr im Altersheim leben wollte und so weiter … So kam eines zum anderen.
Ich habe also „on the job“ gelernt, im Altersheim war ich bei den Insassen eine Art gern gesehener „Sozialarbeiter“ (na gut, Sozialarbeiter der etwas anderen Art, aber immerhin, vielleicht auch „Ehrenamtlicher“) … Viele Insassen haben mich gebeten, mit ihnen einen letzten Gang zu unternehmen. Nun ja, der führte dann zunächst zur Bank (wegen dem Honorar) und dann in den nahe gelegenen Wald.
Mit 55 haben sie mich dann in der Firma „freigesetzt“, ich sei zu alt für das „Business“ geworden, die haben schon nicht einmal mehr gesagt, dass ich „für den Job zu alt“ sei, geschweige denn „für die Arbeit“. War ich natürlich nicht.
Naja, dann hatte ich weitere Übungsobjekte in der Personalabteilung. Das war aber keine so gute Idee gewesen, denn da kamen nur noch jüngere nach, die nur noch Ihres(alters)gleichen einstellten. Die Sache von der Epidemie ging ja durch die Presse … Biologie kann so interessant sein!
Ich habe mich bald selbstständig gemacht. „MMM “ habe ich die Firma anfangs genannt, später „M. Soziale Dienstleistungen“.
Denen vom Arbeitsamt habe ich das Blaue vom Himmel vorgelogen, die fanden meinen Business-Plan gut. Ich habe dann noch ein Gründerdarlehen bekommen. Das hat mir über die erste schwere Zeit geholfen. Ich bin damals in Starnberg viel zum Tanzen gegangen und habe dabei die ersten potenziellen Witwen kennengelernt, also solche, die den Status damals erst angestrebt haben. Da ich selber Witwer war, sind wir schnell ins Gespräch gekommen, und aus „man müsste einmal“ ist dann relativ bald „dann mach´ doch einmal“ geworden.
In dem Umfeld, das ist ja klar, habe ich auch die ersten Fachkollegen kennen gelernt. Von manchen konnte ich mir etwas abschauen, von anderen habe ich mich eher fern gehalten, die waren mir obskur …
Von meinen Tanzbekanntschaften kann ich sagen, dass allen Beteiligten geholfen wurde: Die betreffenden Herren konnten aus einer fürchterlichen Beziehung heraus (ver)flücht(ig)en, die Damen erbten (fast alle) viel und ich konnte erste Einnahmen verbuchen.
Ich war nie im Raster der Polizei: Keine Beziehung zum Opfer, keine zur späteren Witwe (außer ein paar Tänze), kein Motiv, keine Gelegenheit (ich spielte nicht Golf) … Bingo.
Du lernst als Killer Menschen in ihrer ganzen Tiefe kennen, es ist eigentlich ein schöner und befriedigender Beruf – Talent und Neigung vorausgesetzt
Training on the Job, heißt das wohl. Bei mir hat das relativ gut geklappt. Dem Nachwuchs empfehle ich eine fundierte Ausbildung: Erst einmal einen richtigen Beruf mit Bezug zur Berufung lernen, zum Beispiel Metzger, Bestatter, Altenpfleger, Schauspieler, Polizei oder Militär oder etwas in der Art und dann die spezialisierte Weiterbildung zum professionellen Killer. Danach steht dem jungen Killer die Welt offen.

 

 

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Geschichte. Die zue Tankklappe in Ratzeburg

Publiziert in Bücher Stories KB

[Klaus Bock, August 2012] Wir waren zu zweit in Norddeutschland unterwegs. Ich wollte der Bayerin Monika zum ersten Mal (stolz) Land und Leute meiner Heimat in Schleswig-Holstein zeigen. Mit dem Flieger ging es nach Bremen (ja, ich weiß, das ist in Niedersachsen, nicht in Schleswig-Holstein - aber so sind wir eben geflogen und man muss ja bei der Wahrheit bleiben!). In Bremen mieteten wir ein Auto. Einen FORD KA – sie wissen schon, diese kleine Knutschkugel, in die gerade eben zwei ausgewachsene Erwachsene hineinpassen – gerade eben!
Bremen mehr oder weniger links liegen lassend ging es vom Flugplatz unter Absingen von Shanties wie "Hamburger Veermaster" und so (ich kann wirklich nicht singen, aber damals musste das sein) über Land nach Wischhafen und von dort mit der Fähe über die Elbe nach Glückstadt. Von Glückstadt ging es die Nordseeküste rauf in Richtung Dänemark, auf der Höhe von Sylt rüber nach Flensburg und dann zum Pölser-Essen (Pölser sind "leckere" dänische HotDogs, von denen ich vier bis sechs Stück verdrückte während meine Bayerin sie nach einem interessierten Bissen verschmähte) über die dänische Grenze und dann die Ostseeküste wieder runter bis nach Lübeck. Von dort bogen wir dann wieder ab in Richtung Hamburg und Bremen. Das kleine Autochen fuhr uns prima, problemlos.
In der Nähe von Ratzeburg verlangte es erstmals Futter in Form von Benzin. Also fuhren wir in einem kleinen Nest auf eine recht große Tankstelle an der Bundesstrasse.

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Geschichte. Als die Möwen Krähen waren - oder andersrum...

Publiziert in Bücher Stories KB

[Klaus Bock, 12.2.12] Ich stamme aus dem hohen Norden Deutschlands und lebe in München. Ab und zu fahre ich gerne für ein paar Tage an die Nordsee, um mir den Wind um die Nase wehen zu lassen. Ich tue dann so, als ob ich immer noch Biologe sei: In Gummistiefeln und Öljacke mit Bestimmungsbuch und Fernglas stapfe ich irgendwo an der Nordsee doch durchs Vordeichland und versuche, die anwesenden Piepmätze zu identifizieren. Ab und zu habe ich einen „Treffer“, ab und zu!

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Wahre Geschichte. Lärm op´n Dörp

Publiziert in Bücher Stories KB

Ein guter Freund ist vor einem Jahr raus aufs Land gezogen, ins Schwäbische. Früher har er oft und viel über den Lärm in der großen Stadt geklagt - der Hausmeister mit dem Laubpuster, der Hausmeister mit dem Rasenmäher (beide morgens um 7 Uhr), um nur zwei Lärmquellen zu nennen, ach ja, und hupende Autos ... Ich finde, er war schon ein bisschen sehr empfindlich!
Ich habe ihn jetzt weit draußen auf dem Lande besucht und gefragt, wie schön ruhig er es denn jetzt habe? Da hat er nur bissig gelacht: „Ruhig???", hat er fast drohend gesagt, "Ruhig? Wie kommst du auf ruhig? Dass ich nicht lache...“
Und dann hat er an die Redaktion geschrieben. Wir veröffentlichen hier den Wortlaut seines Briefes. Viel Spaß…:

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Geschichte zur Fortbildung: Vortrag "Morden - warum nicht? Denn aber richtig..."

Publiziert in Bücher Stories KB

Erweiterte Version von 4. Mai 2018 

„Mord. Aus Sicht des Mörders. Tipps und Tricks beim Morden“

Abschrift eines Vortrages anlässlich des 5. Ostholsteinischen Kriminal-Tages in Preetz


Sehr verehrte Damen und sehr geehrte Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Kriminalromans,

ich freue mich sehr, heute hier Ihr Gast beim „5. Ostholsteiner Kriminal-Tag“ sein zu dürfen. Mein Vortragsthema ist einfach und ziemlich kurz. Im Programm lautet es schlicht: „Mord!“.

„Mord“ ost völlig okay, wenn Sie erlauben, möchte ich das Thema ein wenig ergänzen, nämlich um „Aus Sicht des Mörders“. Untertitel: "Tipps und Tricks beim Morden". Und: Worauf man besser aufpassen sollte...

Bevor wir im Programm weiter machen, gestatten Sie eine Frage: Ist jemand von der Polizei da? Kripo, Schutz- oder Bundespolizei, Zoll oder verwandte Berufe? Bitte melden Sie sich! Heben Sie einfach Ihre Hand.

Ich sehe keine Hände. Also nein? Gott sei Dank, das macht mir die Sache einfacher, ich kann ehrlicher zu Ihnen sein – das liegt mir auch mehr. Im Fall der Anwesenheit von Verfolgungsorganen hätte ich manches heiße Eisen auslassen müssen, so kann ich ganz offen reden, und das erwarten Sie ja auch. Eine zweite Frage: Ihre Handies haben Sie alle am Eingang abgegeben? Hat noch jemand ein Zweit- oder Dritthandy in der Tasche? Nein? Sehr gut. Dann können wir eigentlich anfangen.

[Zwischenruf aus dem Publikum]

Was, wie bitte? Entschuldigung, was sagten Sie? Sie müssen bitte lauter sprechen, ich bin ja schon etwas älter…

Ach so, Sie fragen, warum Sie das Handy abgeben mussten? Na ja, verehrte Dame, die Antwort liegt doch auf der Hand... Damit Sie im Laufe des Vortrages nicht die Polizei rufen können, wenn Ihnen danach sein sollte… Bitte haben Sie auch keine Angst, dass die Saaltüren verschlossen wurden…

Gut, das hätten wir geklärt, daher darf ich uns kurz vorstellen. Sehe ich da verdutzte Gesichter? Uns, also wir...?

Nein, es kommt niemand außer mir auf die Bühne, trotzdem möchte ich eben nicht mich sondern „uns“ vorstellen. Normalerweise werde ich ja mit Jens angesprochen, der Nachname tut hier nichts zur Sache, wir lassen ihn heute weg. Natürlich wegen der Anonymität.

Ich frage Sie ja auch nicht nach Ihren Namen… Aber wieder zurück  zu uns: Ich bin also der Jens, manchmal aber auch die Mari, der Rudi oder der Ernst. Nein, nein, meine Damen und Herren, ich wechsle nicht die Namen wie andere das Hemd, um andere zu täuschen.

Der Grund ist ganz einfach und die Sache ist die: In unserem (unserem!) Kopf leben mehrere Persönlichkeiten.

Wie gesagt, ich bin als Jens geboren worden. Als ich ein Teenager war, tauchte zu meiner Überraschung plötzlich die Mari auf, man, das war ein Ding, das kann ich Ihnen sagen, plötzlich hatte ich ein junges Mädchen im Kopf! Das waren, lassen Sie es mich drastisch ausdrücke, Scheißjahre. Ich sage nur Pubertät. Eigentlich Pubertäten – wir waren ja zwei. Und wir hatten nur einen Körper. Sie verstehen, was ich meine? Ich war ja nie alleine mit mir und sie auch nicht. Naja, wir haben uns arrangiert... irgendwie.

Später trudelte dann der Rudi bei uns beiden rein, und vor kurzem erst der Ernst. Das sind alle. Stand jetzt. Zwischendurch hatten wir ein paar Durchreisende in unserem Kopf, die kamen irgendwann und verschwanden sehr schnell wieder. Nein, wir haben sie nicht umgebracht, die waren wohl nicht existenzfähig, glauben wir. Aber ganz ehrlich, vier sind wirklich genug...

Wir sind…, nun ja, wir sind hier jetzt ja unter uns, wir sind Profis, Mörder, Killer, eben Profikiller. Ja, wir leben davon, anderen existenzielle Probleme von der Seele zu nehmen.

Deshalb haben die Veranstalter mich, also uns, ja auch eingeladen, denn sie dachten wohl, wenn einer wirklich kompetent über Mord sprechen kann, dann wir vier. Übriges kriegen wir nur ein Honorar obwohl wir die vierfache Expertise haben

So weit, so gut, jetzt kennen Sie uns. Ich bin der Älteste, unser gemeinsamer Körper ist 64, Mari ist 52 (ehrlich gesagt, nachher kriege ich wieder Ärger mit ihr, weil sie nicht will, dass ich ihr Alter verrate), Rudi ist 48 und Ernst 8 Jahre alt. Aber je später die Individuen in unserem Körper aufgetaucht sind, desto schneller haben sie sich entwickelt. Irgendwie sind wir alle fast gleich alt geworden, reifemäßig meine ich.

Zur Not entscheide ich, wenn die anderen uneinig sind. Heute spreche ich, der Jens. Mag sein, dass Mari oder einer von den Jungs sich irgendwann einmal einmischt, aber das ist unwahrscheinlich.

Ich sollte vielleicht noch sagen, dass die Mari die beste Schützin von uns ist, Rudi manchmal ein bisschen ruppig mit den Opfern umgeht, und Ernst, der ist unser kopfinterner Intellektueller. An Wahlen beteiligen wir uns meist nicht – Mari und Ernst sind eher links, ich konservativ und Rudi tendiert eher rechts von der Mitte.

Kommen wir zurück zum angekündigten Thema. Sie alle hier im Saal sind ja Spezialisten, wenn es um Mord geht. Sie lesen Kriminalromane, wahrscheinlich „vertilgen“ Sie sie geradezu, Sie schauen jeden Kriminalfilm im Fernsehen und Kino.

Daraus ergibt sich für mich die nächste Frage an mein Publikum, also an Sie: Wer weiß denn spätestens nach der Hälfte des Romans schon , wer der Mörder ist?

Ah, hatte ich mir gedacht, fast die Hälfte. Wenn ich ehrlich sein soll, wir schaffen das nie! Daher versuchen wir das auch nicht mehr. Im Fernsehkrimi ist es ja ganz einfach: Da ist es immer der bekannteste Schauspieler!

Aber, ganz ehrlich, wir lesen auch nicht mehr viele Krimis und schauen auch kaum noch welche im Fernsehen an. Zu läppisch, wissen Sie, viel zu läppisch..., viel zu weit weg von der Realität, von meiner Realität, finde ich. Schon, weil die Polizei immer (immer!) den Mörder fasst.

In der Realität ist das natürlich Unsinn – sonst würde ich hier ja nicht stehen können, aber darauf werde ich noch zu sprechen kommen. Und wo gibt es in der Realität ein happy end?

Aber zurück zu den Krimis. Ich will Ihnen auch gerne den wahren Grund nennen, warum ich die nicht mehr sehen mag, indem ich eine kleine Geschichte erzähle: Neulich habe ich mal wieder reingeschaut in so einen Tatort, ich glaube, es war ein Tatort: Wenn ich da die alte Frau Glas in einer Rolle als Kommissarin – ich glaube, sie war Kommissarin – durchs Bild rennen und schießen sehe, nee, das sage ich Ihnen, nee, wirklich nicht… Wenn ich mich recht erinnere, hat sie sogar im Laufen geschossen und auch noch den Richtigen getroffen, nicht einmal richtig gezielt hat sie. Also, wenn Sie einmal geschossen haben, dann verstehen Sie mich- ich kann das nur noch als Lustspiel betrachten. Und nicht einmal als Gutes!

Versuchen Sie einmal a.) in dem Alter b.) mit Pumps c.) zu laufen und d.) zu schießen und e.) zu treffen… Nee, das geht gar nicht. Ich werfe das ja auch nicht der alten Frau Glas vor, als „Schätzchen“ war die damals ja auch recht niedlich, vor allem in der Szene mit dem Korsettchen im Bett, ich werfe das dem Krimi im Fernsehen an sich vor, oder den Drehbuchautoren, die schreiben doch offenbar wirklich nur Scheiße, entschuldigen Sie bitte, aber so ist das doch! Und dann sind die Mörder meistens auch noch unsympathische Typen. Das geht gar nicht, finde ich. Bin ich etwa unsympathisch, gnädige Frau? Nein sehen Sie...

Lassen wir das jetzt. Um mir ein Bild zu verschaffen, stelle ich eine weitere Frage an Sie in den Raum: Wer von Ihnen hat denn schon einmal…, also, ich meine, er- oder gemordet?

Sie müssen jetzt nicht schüchtern sein, meine Damen und Herren, Sie können ehrlich sein, sie können sich ruhig melden… Ist ja keine Polizei da. Das haben wir ja schon festgestellt.

Frage an die Technik: Kann ich mal Licht im Saal haben? Bei der Gelegenheit bitte einen Applaus für Ralle, unseren Techniker, ohne den würde hier nichts gehen.

[Kurze Pause]

Danke, danke, ich finde, das reicht denn doch schon mit dem Geklatsche…

Wie, keiner? Ich sehe keinen einzigen Arm! Oh doch, dahinten reckt sich ein Arm hoch. Ja, Sie, Frau Kollegin, wenn ich Sie so ansprechen darf, wen oder was haben Sie…?
Wie bitte? Bitte etwas lauter… Ach so, ein Huhn. Ha ha, seien Sie mir nicht böse, aber den Witz erlebe ich so gut wie bei jedem Vortrag, der ist so alt wie die Bibel. Ja, also, ein Huhn ist ja auch ein Lebewesen, das könnte ein Veganer zum Beispiel nicht töten. Hühner, das sind doch die Tiere, die auch ohne Kopf noch durch den Hof laufen sollen, oder? Nee, nix für mich.

Sonst niemand? Ich meine jetzt keine Hühner oder andere Tiere, ich meine Menschen? Wenn doch, dann müssen Sie sich nicht schämen. In Deutschland sterben nämlich auch ohne Sie als Mörder oder Mörderin pro Jahr ungefähr 830.000 Menschen.

Davon machen etwa 10.000 Selbstmord.

Nur 800 werden „offiziell“ermordet. Das sind weniger als 1 Promille.

Also, wenn Sie mich fragen, ich glaub´ ja nicht, dass 819.200 Menschen "stinknormal" gestorben sind – also an Krebs, an Schlaganfall, Herzinfarkt oder sonst etwas und erstaunlich wenige an Unfällen oder verstarben.

Sie glauben doch auch nicht wirklich, dass die alle…, also bis auf die offiziell 800 Ermordeten, normal gestorben sind, dazu dürfte Ihnen als Krimileser und -seher der "gemeine Mord" viel zu nahe sein.: denn wenn im Jahr in Deutschland ca. 2.500 Krimis veröffentlicht werden (und ich denke, ich bewege mich im Zeitalter des Selbstpublizierens damit im Rahmen einer sehr konservativen Schätzung) und wir pro Krimi durchschnittlich nur 4 Morde veranschlagen, sind wir schon bei 10.000+ Morden.

Und das ist ja nur das, was in den Büchern geschieht, von den vielen Kriminalfilmen von der Vorabend-SOKO, über Rosenheim-Cops etc. bis zu Tatort und Morden im Norden habe ich die Ermordeten ja noch gar nicht mitgerechnet. Donna Leons Tote, die in Venedig anfallen, habe ich allerdings bereits weggelassen, und die von den Wiederholungen auch!

Nein, nein, ich bin überzeugt davon, dass das in Deutschland schon sehr viel mehr Morde sein werden, überschlagsweise komme ich auf 20.000 Mordopfer ohne die 800 „Offiziellen“ – sehr viel mehr. Ich denke mir, dass das die Politik nur nicht zugeben will...

Und vergessen Sie nicht meine Tätigkeit und die meiner lieben sogenannten „freien“ Kollegen. Und dann die Kollegen, die als „nicht-freie“ für verschiedenen Mafia-Organisationen tätig sind – von den italienischen Mafien sind mindestens drei Arme in Deutschland tätig, dann die russische, die albanische, die kolumbianische und die jugoslawische Mafia. Ja, gauben Sie denn, die seien hier untätig? Ganz im Gegenteil, die hauen ihre Gegner weg wie die Fliegen!

Man redet halt nicht drüber..., man will Sie ja nicht verunsichern.

Naja, und dann die Amateure, die Mörder und Möchte-gerne-Mörder wie Sie hier im Saal. Jeder kommt doch mal in Versuchung, oder?

Bei den unentdeckten Morden werden viele Amateur-Verwandte sorgfältig-liebevoll nachgeholfen haben – mal Omas Tabletten versteckt, mal die falschen gereicht, mal den Opa im Wald versteckt oder besser, unter dem Wald, mal der Oma nachts das Schlafzimmerfenster offengelassen, damit sie eine Lungenentzündung bekommt... Die Polizeistatistiken besagen, dass so gut wie jeder bekannt gewordene Mord in Deutschland aufgeklärt wird. Dass ich nicht lache, das glauben die Polizisten ja selber nicht. Klar, die sind schon ganz gut, unsere Kriminalen, aber sooo gut nun auch wieder nicht. Man muss da allerdings genau hinhören: Es heißt „bekannt gewordene“!

Über die nicht bekannt gewordenen sagt diese Statistik nämlich nix… Was glauben Sie, wie viele falsche Totenscheine tagtäglich von unerfahrenen oder gutgläubigen resp. gutmeinenden Ärzten in Deutschland ausgestellt werden? Ganz abgesehen von den Hausärzten, ob die denn immer wissen, was sie tun...?

Und dann unsere Stars, die sogenannten Massenmörder – ja, da läuft es einen schon kalt den Rücken runter: Ich meine die Pfleger. Einer der Besten stand ja neulich vor Gericht – über 100 Morde hat er eingeräumt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Er hat sie eingeräumt, nicht etwa gestanden. Er wird schon noch ein paar mehr Menschen ins Jenseits gehofen haben. Er hat das etwa so verstanden, als Hilfeleistung, wie Sie einem Blinden über die Straße helfen. Also, ich muss schon sagen: Chapeau!

 

Und was ist mit denen, die mit den Opfern zum Sterben ins Ausland fahren? Sterbehilfe einmal anders – nämlich ohne Einwilligungserklärung! Rauf auf den Berg mit der österreichischen Gondelbahn, runter im freien Fall, solche Sachen meine ich. Oder eine gemeinsame Wattwanderung in die auflaufende Flut hinein und Oma kann ja nicht mehr so gut schwimmen! Schon gar nicht bei 10°C Wassertemperatur. Die finden dann nur noch die Aale…

Das wird man doch einmal hinterfragen dürfen? Und: Allein meine Anwesenheit im Saal beweist ja schon, dass bei weitem nicht alle Morde bekannt und aufgeklärt werden… Ich könnte Ihnen da Geschichten erzählen… Aber kaufen Sie lieber meine Bücher, da ist alles ganz genau geschildert! Hinzu kommt ja noch, es werden ja auch nicht reihenweise Kollegen verhaftet und verurteilt…

Na gut, dann bin ich also der einzige hier im Raum mit einschlägigen Erfahrungen… Das hatte ich so nicht erwartet, mit vier bis fünf Händen hatte ich schon gerechnet, hier in einer bäuerlich dominierten Gegend, wo sicherlich nicht jeder Altbauer zu rechten Zeiten aufs Altenteil will…

Ich war neulich zu einem Vortrag in einem österreichischen Hochtal eingeladen, weit weg, ziemlich düster, da haben sich – zugegeben nach Zögern und gutem Zureden von Bekannten – doch vier oder fünf gemeldet. Und da war das Publikum nur halb so groß wie hier… ich meine, das ist ja auch gemein, dass die Alten im älter werden. Da wird ja immer eine Generation beim erben überschlagen. Ist das noch gerecht? Ich meine, da will doch jeder mal Chef werden. Ist ja nicht jeder so wie der englische Prinzgemahl oder Charly, offiziell natürlich His Royal Highness Charles Philip Arthur George, Prince of Wales und Duke of Cornwall. Der wurde 1948 geboren und hat immer noch seine Queen vor sich... Klar, der kriegt eine Menge Geld fürs warten, aber der möchte doch irgendwann einmal ran... Mich wundert schon, dass da nicht schon lange Mal ein Reitunfall passiert ist oder so... Also ich hätte da schon ein paar Ideen.

Und wenn wir uns schon in diesen Kreisen bewegen, beim Trump wundert mich ja auch, dass sich da nicht einmal wer aufrafft und eine anständige Prämie aussetzt. Dafür gibt es uns doch schließlich!

Na gut, lassen wir das. Also, wir sind Profis, ganz echte Profikiller! Nein, nein, nun kriegen Sie man keinen Schreck, Sie müssen auch nicht gleich zurückrutschen, meine Dame, ich bin heute „gut drauf“, viel zu gut, um irgend jemandem im Saal etwas antun zu können. Oder zu wollen. Sind auch zu viele neugierige Zeugen da.

[Lachen im Saal]

Also, ich bin ein Mörder, ein richtiger Mörder, ein Killer, ein Auftragskiller…

[Beifall im Saal]

Und ich möchte Ihnen heute ein wenig aus dem Nähkästchen eines Auftragskillers erzählen.

[Atemlose Stille im Saal]

Aber um das vorweg zu nehmen, nein, meine Damen und Herren, wir geben keine Mord-Kurse mehr, „Mord an der Küste“ war zwar immer ausgebucht, wissen Sie, aber uns sind einfach die geeigneten Opfer für die Abschlussprüfungen ausgegangen. Leider verkaufen wir auch unseren Baukasten „Der kleine Mörder. Für Kinder ab 8 Jahre“ mehr. Da hatten wir Probleme mit der Qualität der Gifte. Das alles war früher einmal, heute nicht mehr.

Reden wir endlich über das Thema, für das ich honoriert werde, dessentwegen Sie gekommen sind: Mord!

Ein Mord ist ja eigentlich immer das Ende, für das Opfer das wahrscheinlich bittere Ende einer mal kürzeren, mal längeren Geschichte – das „bitter“ bezieht sich, wie gesagt, auf die Sicht des oder der Ermordeten.

Sagen Sie einmal, legen Sie in diesem Zusammenhang Wert auf dieses neumodische Gegendere? Dass ich also immer Mörder/Mörderin oder Opfer/Opferin sage? Nein? Gut, das macht die Sache für mich einfacher, denn ich stamme aus der Vor-Gender-Generation. Wenn ich im Folgenden also von „ihm“ spreche, ist auch immer „ihr“ gemeint.

Also, dem Mord geht in der Regel einiges voraus: Meist eine Verletzung – eine seelische oder eine pekuniäre Verletzung, also ein Fremdgehen oder ein Geldverlust, evtl. auch nur ein virtueller Geldverlust, wenn also der Opa nicht sterben will, wo der Enkel doch dringend die Erbschaft braucht. So etwas meine ich mit Verletzung. Oder einfach ein mieser Charakter des Mörders, der sich in Neid und Gewaltbereitschaft äußert.

Ich lasse hier einmal die sogenannten Beschaffungsmorde weg. Natürlich ist ein Mord wegen einer Erbschaft im erweiterten Sinne auch ein Beschaffungsmord, aber das meine ich nicht, mit Beschaffungsmord meine ich ein Tötungsdelikt wegen oder unter Drogen. Damit habe ich nix am Hut, damit will ich auch nix zu tun haben. Deshalb gehe ich darauf nicht ein.

Ich rede über den ganz normalen tagtäglichen Durchschnittsmord und –mörder, den Mörder wie Du und wir, wenn Sie erlauben, oder wenn Ihnen das denn doch zu nahe ist, den Mord in der Nachbarschaft .

Selbst beim sogenannten Mord im Affekt dauert es bekanntlich etwas, bis es tatsächlich zum Mord kommt. Man mordet ja eigentlich nicht sofort, aus Jux und Tollerei, oder wenn doch, dann selten.

Wenn Sie mich fragen, gibt es Mord im Affekt gar nicht, der kommt vielleicht etwas plötzlich, aber keinesfalls im Affekt. „Affekt“ ist etwas Gutes für den Anwalt, der kann mit „Affekt“ argumentieren, das Strafmaß damit etwas herunterhandeln, das ist alles… Aber mal ganz ehrlich, wenn ich von „Affekt“ in Bezug zu Mord höre, muss ich immer schmunzeln. Ich würde nie im Affekt…, und kein Kollege auch nicht, ich finde, der Qualitätsmord will geplant sein.

Gut mancher Mörder mag etwas überrascht tun, wenn das Opfer plötzlich (?) tot vor ihm liegt, aber ich glaube da nicht dran. Obwohl da oben in dem Bergtal, da waren schon einige, die waren so schlicht gebaut, dass ich denen das abnehmen würde – aber auch nur denen. Denen, und vor allem den Frauen dort, würde ich jeden Grund abnehmen, den Alten beiseite geschafft zu haben. Häufig sehr gerechtfertigt.

Der ernsthafte Mord passiert eben nicht im Affekt, der ernsthafte Mord ist immer mehr oder weniger geplant. Je besser geplant, desto kunstvoller kann der Mord durchgeführt werden. Und man kann den Mord durchaus als Kunstform sehen, wahrscheinlich als eine ultimative Kunstform – zumindest für das Opfer. Und insofern kann dem Mord durchaus eine gewisse Schönheit zu eigen sein. Ich habe neulich einen interessanten Artikel über die Schönheit in mathematischen Beweisen gelesen. Schön war der Beweis, so der Tenor des Berichtes, wenn er kompliziert mit überraschenden Ideen und Wendungen versehen war und zum ultimativen Ende kommt. Aber das kann man doch wörtlich für den Mord übernehmen: Kompliziert, überraschend, ultimativ.

Und das ist doch auch für Sie schön, wenn Sie Ihren Mord (real oder virtuell) als Kunstwerk betrachten können, der Mörder als Künstler... wunderbar. Insofern sind ein Barneby, ein Poirot oder eine Miss Marple dann als Störfaktor zu betrachten, der eigentlich eliminiert gehört.

Wichtig für jeden Mord und Mörder ist die Planung. Die Planung ist das A und O eines jeden erfolgreichen Mordes. Und erfolgreich bedeutet hier, das Opfer ist tot, der Mörder wird nicht gefasst.

Diese Vorbereitungszeit können und sollten Sie genießen. Sie ist eigentlich das Schönste an einem Mord – wenn die Hormone anfangen vor Begeisterung zu kreischen, mein Gott, lassen Sie sich das von mir sagen: Das ist S C H Ö N. Etwa so, wie ein gutes Vorspiel so lange wie möglich dauern sollte, nicht wahr, meine Damen, der Rest geht dann ganz fix. Und dann nichts wie weg, nicht wahr, meine Herren?

Der ganze, nennen wir ihn „Mordprozess“ dauert in der Regel etwas oder auch etwas länger… In der Zeit passiert ja noch einiges. Sie kennen das aus den Romanen oder Filmen – Streite, Schreiereien, Auseinandersetzungen (auch mal körperlich) zwischen späterem Mörder und späterem Opfer, das Motiv wird verstärkt.

Der Wille zum Töten kommt hinter irgendeiner Gehirnwindung hervor wie ein Drache hinter einem…, ja, wo kommen Drachen eigentlich hinter heraus? Meistens aus einer Höhle, glaube ich. Na gut, dann kraucht der Mordgedanke eben auch aus einer unbewussten Höhle im Gehirn des Mörders heraus – huhuhu!

Egal, aber Sie verstehen, was ich meine, er taucht langsam auf, langsam und verschwommen, dann wird der konkreter – zuerst der Mordgedanke, ein schöner Moment, wenn er erst einmal da ist, dann der Plan, zuerst einfach, schließlich brillant, und schließlich der orgiastische Höhepunkt, die Durchführung.

Erst ist vermutlich nur er da, der Gedanke, zunächst wird er erst einmal verscheucht, aber er kommt wieder… Erst wie ein lästiger Gast, dann wird er immer vertrauter und schließlich bleibt er als ein vertrauter Gedanke: Mord!

Irgendwann lässt er sich dann nicht mehr verscheuchen, dann entschließt man sich zum Mord. Aber der Weg war vorgezeichnet. Gut – aus meiner Sicht. Ich finde Morde ja per se ganz gut.

Über das Opfer und seine Gefühle kann ich aus eigener Erfahrung wenig sagen, ich war ja nie Opfer.

Vermutlich kommt das potenzielle Opfer zunächst gar nicht auf die Idee, dass es Opfer sein wird. Das weiß ja noch von nichts, das lebt ja noch ganz friedlich-schiedlich vor sich hin. Gönnen wir ihm diese Zeit. Möge sie sogar schön sein. Es hat ja nicht mehr lange. Und glauben Sie mir, glückliche Opfer sind die schöneren Opfer. Womit wir schon wieder bei der Schönheit eines Mordes sind.

In dieser Zeit hat es der potenzielle Mörder sogar schwerer als das Opfer, das ja von nichts ahnt, denn der Möchtegernmörder geht jetzt mit der Idee des Mordes schwanger. Eine Schwangerschaft ist eine schwere Zeit, fragen Sie einmal Ihre Mutter! Mit einem Mord, vor allem dem ersten, schwanger zu gehen, ist eine verdammt schwierige Zeit für einen Laien oder für den Erstmord-Täter. Das mit der Schönheit, kann einem helfen, wenn man sich darüber bewusst ist. Der Mörder muss sich entscheiden, wann und wie? Er muss, er sollte sich ein Alibi verschaffen. Er muss sich eine Waffe verschaffen.

Damit sind wir beim nächsten Kernpunkt eines Mordes.

Die Frage nach der Waffe ist entscheidend. Wenn Sie erst einmal die ersten Morde hinter sich haben, wenn Sie auf dem Weg vom Ersttäter über den Amateurmörder den Weg zum Profikiller eingeschlagen haben, wird Ihnen klar geworden sein, was „Ihre“ Waffe ist, Ihre Lieblingswaffe oder Ihre Lieblingsmethode.

Klar, ein Küchenmesser ist schnell gefunden, ein Hammer auch… Wenige denken an ein Bolzenschussgerät (sehr zu empfehlen, aber bitte im Baumarkt 500 km entfernt kaufen!) oder an eine selbst gemachte Garotte (den Draht weit weg kaufen!).

In amerikanischen Krimis ist der Eispickel sehr beliebt. Der Eispickel ist eines der gemeingefährlichsten amerikanischen Werkzeuge. Aber finden Sie hier bei uns mal einen geeigneten Eispickel! Dass der Eispickel bei Mördern in den USA so beliebt ist, muss daran liegen, dass der Kühlschrank in den USA noch nicht so weit verbreitet ist, und man dort deshalb sehr viel Natureis einsetzt…

Bei Morden auf Segelschiffen wird auch gerne mal ein Belegnagel oder ein Marlspieker verwendet – Werkzeuge, die man an Land oder auf Motorschiffen kaum noch findet. Also, wenn Sie ein Boot mit Belegnagel oder Marlspieker haben: Hände weg! Klar, die sind verlockend – aber die sind verräterisch, die haben sie gleich…

Bleiben wir beim Boot: Boot ist gut! Im Winter, bei 2°C Wassertemperatur, überlebt keiner, der über Bord fällt – Sie dürfen dann dem Opfer eben nicht wieder ins Boot helfen, da braucht man Nerven, aber das geht ganz fix, maximal nach 4 Minuten ist Schluss mit dem Geplantsche und Gelabere im Wasser!

Im Sommer braucht es deutlich länger, warten Sie auch nicht auf den vorbeischwimmenden Haifisch, der beißt nur vor Australiens Stränden zu, der kleine Knabberer… Nein, ein Wassermord in hiesigen Breiten nur im Januar-Februar!

Oder im Sommer mit der Schiffsschraube mehrfach drüberfahren. Wenn das Wasser so richtig rot geworden ist, haben Sie getroffen. Hinterher noch lange hin und her fahren, um die Schiffsschraube zu säubern. Pril im Nord- oder Ostseewasser hilft übrigens nicht. Da kriegt man sie nur wegen Umweltvergehen an den Kanthaken.

Gut ist es, wenn Sie über keinen Bootsführerschein verfügen, dann können Sie immer sagen, Sie wussten nicht, was Sie tun sollten...

Und passen Sie auf, dass andere Schiffe weitgenug weg sind, wenn Sie „SOS, Mann über Bord“ funken, sonst sind die zu schnell da.

Am häufigsten wird in Krimis eine Schusswaffe verwendet: Von Pfeil und Bogen über diverse Pistolentypen bis hin zur israelischen Uzi.

Bei Pfeil und Bogen gilt: Das muss man gelernt haben, das muss man können – und die, die das können, die sind polizeibekannt. Ohne Übung schießen Sie sich eher in den eigenen Fuß als dem anderen in den Hals. Und tragen Sie als Mann nicht plötzlich grüne Strumpfhosen, weil Sie das in Robin Hood so gesehen haben, Sie verstehen? Wenn Sie also ein Bogenschütze sind und in Ihrem Bekanntenkreis wird jemand mit Pfeil und Bogen erschossen… - verabschieden Sie sich schon mal von Ihren überlebenden Lieben, Sie werden sicher bald hinter Schloss und Riegel sitzen, wenn in Ihrem Freundeskreis nicht viele Mitglieder im Bogenschützenverein sind, denen Sie das anhängen können. Aber das geht sogar bei INSPECTOR BARNABY regelmäßig schief.

An eine Uzi werden Sie wahrscheinlich nicht herankommen, es sei denn Sie waren beim IS – aber dann stehen Sie unter Beobachtung, auch, wenn Sie es noch nicht bemerkt haben sollten. Lassen Sie für die nächsten dreißig Jahre besser die Finger von Ihrer Uzi, ehrlich. Die ist dann etwas für Ihren persönlichen Altersmord.

Überhaupt, ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Menschen in Fernsehkrimis mit Waffen herumlaufen? Oder jedenfalls eine Pistole in der Schreibtischschublade liegen haben? Jederzeit griffbereit!

Wenn das in der Realität tatsächlich so wäre, bräuchten wir uns hier in Deutschland nicht mehr über die US-amerikanische Waffenlobby aufzuregen, das wären dann nämlich Anfänger.

Ich frage das jetzt nicht, sie müssen sich also nicht melden, aber Sie können ja mal darüber nachdenken, wem Sie hier im Saal zutrauen, zuhause eine Waffe zu haben?

[Bewegung und Raunen im Saal]

Sehen Sie, genau das habe ich gemeint. Wenn Sie eine haben, kann ich Ihnen nur raten, verstecken Sie sie gut, reden Sie auch nicht darüber – für alle Fälle, Sie wissen ja nie. Sie können ja nicht wissen, ob Sie nicht vielleicht auch mal in Versuchung kommen könnten… Falls Ihr Ehepartner es mal mit jemand anders treibt, oder so… Sie verstehen?

Von wegen „nicht darüber reden“ – das gilt natürlich für jeden Mörder und für jeden Auftraggeber. Jedes Wort in der Beziehung ist ein Wort zu viel, ist ein Wort auf dem Weg zum „lebenslänglich“, in Deutschland zu „15 Jahren“.

Fakt ist – Stand heute: Wenn Sie keine Waffe besitzen, haben Sie verdammt gute Chancen, auch keine zu kriegen.

Es sei denn, Sie fragen im einschlägigen Teil Ihres Freundeskreises, wer Ihnen eine leihen könnte – aber auch da kann ich nur sagen: Vorsicht! Sie können sich erfahrungsgemäß einfach nicht darauf verlassen, dass der Leihgeber dauerhaft die Schnauze hält, oder wenn doch, dass er sie dann nicht irgendwann mit seinem Wissen erpresst. Menschen sind so gemein, ehrlich! Wenn es einer weiß, dann ich.

Also geben Sie die Waffe besser nicht zurück, dann haben Sie im Falle einer Erpressung schlussendlich das bessere Argument in der Hand – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Sie wollen aber doch lieber wissen, wo Sie eine eigene Schusswaffe her bekommen könnten? Was fällt Ihnen denn dazu ein? Hamburg-St. Georg? Läge nahe. In Kiel am Puff im Hafen? Möglich. Und wie machen Sie das? Sie schlendern in einer regnerischen Nacht durch St. Georg, und wenn Ihnen ein besonders finsterer Typ entgegenkommt, dann fragen Sie ihn freundlich: „He, Sie, sagen Sie mal, Sie sehen so aus, als würden Sie mit Pistolen handeln…, was haben Sie denn im Angebot…“? Ehrlich? Wahrscheinlich doch nicht.

Gut, nehmen wir an, Sie meiden die finsteren Typen in den dunklen Straßen, Sie gehen statt dessen in eine miese Pinte (gerne eine jugoslawische), in der die anderen finsteren Typen verkehren, und fragen den Mann hintern Tresen, ob er jemand kennen würde, der mit Pistolen handelt? Also nicht en gros, nur Einzelhandel? Hhm, auch nicht sehr wahrscheinlich, dass Sie tatsächlich eine bekommen, die Wahrscheinlichkeit tendiert auch nicht gegen Null, aber viel wahrscheinlicher ist, dass er Ihnen erstens eine aufs Maul haut, und Sie zweitens mit Balkan-Akzent hochkant rauswirft!

Ach so, Sie fahren nach Polen, weil da haufenweise Waffen am Straßenrand verkauft werden? Unwahrscheinlich aber möglich. Sie können polnisch? Sie können auf polnisch fragen: „Haddu Pistole?“. Sie glauben wahrscheinlich, dass man mit dem Polen in einfachen kurzen Sätzen sprechen muss, damit er Sie versteht? Damit haben es sich unsere Großväter schon in Polen versaut. Aber muss ich mehr sagen? Wahrscheinlich kriegen Sie wieder eine aufs Maul. Besonders, wenn Sie in kurzen Sätzen auf deutsch fragen. Diesmal mit polnischem Akzent – und zwar völlig zu Recht.
So ähnlich wird es Ihnen auf großen Märkten gehen. Sie geraten höchstens an einen V-Mann, nicht gut, gar nicht gut!

Letzte Möglichkeit: Ukraine. Da gibt es Waffen en mass! Wahrscheinlich sogar zu kaufen, glauben Sie? Na, denn fragen Sie man mal eine Mutti, die in Kiew irgendeinen Prospekt entlang schlendert. Außerdem müssen Sie die Waffe, wenn Sie eine bekommen haben sollten, durch die EU-Außengrenze schmuggeln. Und wehe, die erwischen Sie! Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich groß, dass Sie vom Verkäufer an den Zoll verraten wurden. Das ist gar nicht persönlich gemeint, es dient nur der atmosphärischen Verbesserung zwischen Zoll und Waffenhändler für die wirklich wichtigen Waffengeschäfte – wenn etwas amerikanische Waffenlieferungen für die Ukraine kommen. Seien Sie Ihrem Verkäufer nicht böse…, das Geschäft läuft eben einfach so, die Amateure werden verhaftet, damit die Profis überleben können.

Bleiben das Messer oder der Hammer. Beides funktioniert, keine Frage. Sie brauchen gewisse Grundkenntnisse in Anatomie, damit Sie wissen, wo sie hin- und wo sie nicht hinstechen müssen. Gut, die kann man sich aneignen. Machen Sie einfach einen guten Erste Hilfe-Kursus.

Das Dumme ist, mit Messer oder Hammer müssen Sie dicht an Ihr Opfer heran, am besten von hinten, da ist es einfacher. Und wenn Sie endlich soweit sind und Ihr Opfer hört Sie, dreht sich um und schaut Sie treu an, erst in die Augen, dann auf das Messer in Ihrer Hand und schließlich wieder in Ihre Augen, und fragt Sie dann, was denn jetzt werden soll, willst du mich etwa umbringen und warum denn, dann dürfen Sie nicht weich werden, bleiben Sie stahlhart: Opa muss jetzt sterben, weil Opa schon zu lange gelebt und gespart hat – zumindest in Ihren Augen. Sagen Sie nichts, denn das könnte jetzt in ein Gespräch ausarten. Nicht gut. Stechen Sie einfach zu oder hauen Sie mit dem Hammer zu. Und treffen Sie gut. Am besten mehrfach. Nur zur Sicherheit. Wir reden übrigens nie mit unseren Opfern, schon aus Erfahrung.

Nehmen wir an, Sie überwinden allerletzte nicht erwartete Hemmungen und stechen zu, dann denken Sie daran: Nicht nur so ein bisschen, da müssen Sie schon richtig hinlangen, der erste Stich muss mindestens fast tödlich sein, besser ganz.

Und dann fängt das Opfer an zu bluten – erlauben Sie mir die Offenheit –, es blutet jetzt wie eine Sau, die abgestochen wird. Das Blut spritzt vielleicht meterweit! Trifft Sie vielleicht. Bleiben Sie tapfer, schon wegen der DNA-Spuren dürfen Sie sich jetzt nicht übergeben – außerdem müssen Sie noch zwei- oder dreimal gezielt zustechen, damit das Opfer tatsächlich stirbt.

Stellen Sie sich mal vor, Sie würden nicht richtig zustechen, und das Opfer überlebt, und Sie müssen Opa beim 90sten Geburtstag oder so irgendwann einmal wieder unter die Augen treten: Die Situation könnte dann sehr, sehr peinlich werden… Außer er hat Alzheimer, dann hat es es vergessen…

[Lachen im Saal]

Mit einer Schusswaffe geht das Morden natürlich deutlich „sauberer“. Allerdings nur, wenn Sie schießen können!

Ich habe neulich einen Bekannten zum Schießtraining mitgenommen und ihm eine Glock mit 15 Schuss im Magazin in die Hände gedrückt. Sie, ehrlich, erst war´s lustig, dann nur noch peinlich. Sie müssen wissen, man schießt dort auf 25 Meter auf Scheiben von circa einem Meter Durchmesser. Mein Bekannter hat alles getroffen: Die Lichtleitung an der Decke, mehrere Kakerlaken am Boden, die nur er gesehen hat (es war ein Massaker), die Scheibe auf der Nachbarbahn – nur die eigene Scheibe nicht.

Nein, wenn der sich mal entschließen sollte, jemanden zu erschießen, kann ich ihm nur raten, nicht weiter als einen halben Meter vom Opfer entfernt abzudrücken, am besten aufgesetzt, sonst fällt das Opfer höchstens vor Lachen um.

Ich habe Ihnen bis jetzt von jeder Mordmethode abgeraten. Das gilt übrigens auch für Gift (das ist eher für italienische Päpste geeignet) oder Strom (das ist besser für intensive Verhöre á la Abu Ghraib) oder Überfahren mit dem Auto. Alles unsicher, alles hinterlässt Spuren, die zu Ihnen führen können!

Spätestens beim dritten oder viertem Mord haben die sie.

Ich hoffe, ich habe Sie nicht enttäuscht oder Ihnen die Freude am Mord genommen. Ich will Sie ja auch gar nicht vom Morden abhalten. Das kann schon auch Spaß machen. Es ist nur so, die meisten Hobbies machen ja erst dann richtig Spaß, wenn man sie beherrscht. Das gilt für das Schachspielen, wie für das Segeln, das postmenopausale Malen und natürlich auch für das Morden. Meine Botschaft lautet: Man muss es nur richtig machen!

Eines möchte Ihnen für den Fall, dass Sie es dennoch selber machen wollen, mitgeben: Übertöten ist grundsätzlich schlecht. Was das heißt? Nun, Ihr Opfer kann relativ unauffällig die Treppe herunterfallen oder vom Balkon. So etwas passiert. Da kommt nicht einmal unbedingt ein Verdacht auf.
Wenn der zum Tatort gerufene Polizist aber ein Opfer mit zwei Einschüssen in der Brust und einem im Kopf vor sich hat, fällt es ihm schon schwerer, so zu tun, als ob nichts geschehen sei, so sehr auch der Kindergeburtstag bei seiner Lebensgefährtin drängeln mag, bei dem er sein Kommen garantiert hat (Kommissare im Buch oder Film haben immer solche Probleme). Die in der Realität auch.

Beim Treppensturz oder einem einzelnen Hammerschlag auf den Vorderkopf kann der Kommissar mit zu vielen Überstunden sagen, dass er keinen Verdacht hat, das sei ein selbst verschuldeter Unfall, er gehe jetzt „abbummeln“… Vielleicht schreibt er auch "Selbstmord" oder (wenn er Hauptkommissar ist) „Suizid“ in das entsprechende Formular.

Das ist übrigens der wahre Grund, warum Kommissare im Krimi immer im Pärchen auftreten: Dann kann das Faul-Gen sich nicht so leicht durchsetzen, denn dann sagt der erste Kommissar vielleicht „Scheußlicher Selbstmord, was? Selten gesehen. Drei tödliche Kugeln…“, aber der zweite Kommissar wendet eventuell ein (außer sie ist die Mutter zum Kindergeburtstag oder er ist auch zum Kindergeburtstag eingeladen): „Hhm, ich weiß nicht, ich weiß nicht, kommt mir irgendwie spanisch vor, drei Schüsse, keine Waffe da, die Tür von außen abgeschlossen - sollten wir nicht lieber die Spurensicherung…? Das wäre sonst der erste dokumentierte Suizid mit drei tödlichen Kugeln...“

Dasselbe gilt übrigens auch bei zu vielen Messerstichen. Ein Stich im Bauch ist noch okay, vor allem wenn das Opfer ein Japaner ist, da kann das sogar eine gute Idee sein, aber fragen Sie sich mal ehrlich, wie viele Japaner wollen Sie abmurksen?

Sehen Sie - das habe ich gemeint: Machen Sie es richtig, tun Sie genug aber nicht zuviel des Guten! Das Opfer muss richtig tot sein – aber eben nicht zu tot!

Sie wollen es tatsächlich richtig machen? Gut, was rate ich Ihnen denn nun als Professioneller?

Wenn Ihnen egal ist, dass Sie erwischt werden, wenn Sie jemanden „nur so“ umbringen wollen, und wenn sie unheilbar krank sind, und wenn Sie nur noch ein Jahr zu leben haben, dann (aber nur dann) gehen Sie los, und bringen Sie Ihr Opfer ruhig um. Dann können Sie auch mit rauchender Leihpistole neben dem Opfer stehen bleiben… Wenn Sie Glück haben, sagt der Bulle sogar: „Nun mach´ mal Platz hier, Omchen, das ist jetzt ein Tatort, geh man lieber nach Hause – aber lass die Pistole da…“

Wenn Sie dagegen, wie eigentlich jeder normale Mörder, einen Profit aus dem Mord schlagen wollen (sei es Befriedigung oder Geld), dann sollten Sie besser nicht gefasst werden. Das wird schwer, weil, die Polizei mag ziemlich doof sein, aber sie sind nachtragend! Die lassen nicht locker – außer Sie sind gut befreundet…

Im Endeffekt ist es eigentlich immer am besten, Sie wenden sich an einen Profi! Geben Sie den Mordauftrag, fahren Sie mit Freunden oder Familie (Freunde ist besser, Ihr Ehepartner lässt Sie evtl. mit seinem Aussageverweigerungsrecht beim Alibi hängen) fort, kommen Sie erst wieder, wenn der Mord in der lokalen Zeitung berichtet wurde. Wenden Sie sich sehr betroffen (!) an die Polizei...Seien Sie bereit zu helfen – oder seien Sie so betroffen, dass Sie noch nicht aussagen können.
Aber auch hier gilt: Nicht zu viel des Guten ist besser!

Sie treffen den von Ihnen beauftragten Profi höchstens einmal, besser gar nicht. Überweisen Sie kein Geld, erwarten Sie keine Rechnung, machen Sie keine Unkosten bei der Steuererklärung und keine Mehrwertsteuererstattung geltend. Seien Sie also nicht geizig, Geiz ist in Zusammenhang mit Mord gar nicht geil! Das Geld hinterlegen Sie bar in einem Versteck… Keine Spur führt zu Ihnen, Sie haben mit keiner Sauerei zu tun alles geht blitzschnell und blitzsauber.

Ich sehe die Frage geradezu in Ihre Gesichtern geschrieben: Und wie komme ich an so einen Profi?

Wer ernsthaftes Interesse hat, kann sich nach dem Vortrag gerne an mich wenden, ich verkaufe dann mein Buch „Morden – aber richtig“ im Foyer, gerne mit Signatur, und lege unauffällig eine Visitenkarte einer international tätigen Organisation hinein, auf der Sie die Kontaktdaten finden.

Diese Adresse ist aus einsehbaren Gründen allerdings höchstens 14 Tage gültig. Dort erfahren Sie auch das allfällige Honorar und das weitere Vorgehen.

Meine Damen und Herren, das war´s. Ich habe heute noch zu tun, schauen Sie morgen mal in die Zeitung... Haha, war nur ein Witz - oder nicht? Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit

[Lang anhaltender Applaus und "Zugabe"-Rufe]

Ja, also, sind da noch Fragen?

Ja, Sie, da vorne links, bitte...

Frage
Danke, ich meine, vielleicht ist das ja eine dumme Frage, aber wissen Sie, mein Sohn, der würde vielleicht gerne.., also berufsmäßig..., ich meine, dasselbe werden wie Sie. Was meinen Sie, ist das denn ein Beruf für einen Jungen, einer von dem er leben kann?

Antwort
Tja, das fragt man sich als Eltern ja immer, was soll mein Junge mal werden, nicht wahr? Na gut, also, ein Lehrberuf ist das jedenfalls nicht, nicht bei uns, vielleicht in Sizilien, da ja, aber bei uns nicht. Wenn ein Junge Interesse hat, den Beruf zu ergreifen, dann würde ich ihm ein paar Fragen stellen. 1.) Kannst Du schweigen? Das ist ja schon wichtig, dass er sich nicht verquasselt, verstehen Sie. 2.) Eine gewisse Vorbildung wäre schon angebracht. Ich denke da an Sniper bei der Bundeswehr. Das würde ihm gewisse Grundbegriffe vermitteln. Oder auch bei der Bundeswehr: Eine Einzelkämpferausbildung, das wäre natürlich eine gute Voraussetzung. Da werden einem die Flausen aus dem Kopf getrieben und gewisse Bedenken vor dem Leben ansich genommen. Das würde helfen. 3.) Wenn er das nicht machen will, würde ein fleischverarbeitender Beruf, Metzer oder Schlachter oder Tierzerleger hilfreich sein. Zumindest, wenn er später einmal vor allem mit dem Messer arbeiten will. 4.) Als Pfleger wäre er auch prädestiniert, aber vielleich nicht als Auftragskiller, mehr als Hobby-Serienmörder. Reicht Ihnen das fürs Erste?

Der nächste, bitte.

Frage
Sie haben über Pistolen gesprochen. Was würden sie da empfehlen?

Antwort
Gute Frage, mein Herr. Es gibt Auftragskiller, die bevorzugen eine .22er – zwei Schüsse ins herz und einer in den Kopf. Da gibt es viele sehr positive Berichte in der Literatur und ich habe auch selber gute Erfahrungen damit gemacht. Andere Kollegen sagen, dass ginge ja gar nicht, die würden immer eine 9 mm nehmen... Für mich als Profi ist das eine reine Geschmackssache. Es geht so und so... Für Sie als Amateur, ich denke, das sind Sie doch, kommt es eher darauf an, an was für eine Waffe kommen sie am leichtesten heran, welche Waffe besitzen Sie bereits. Die die Sie haben, ist für Sie die beste.

 

Frage
Ich werden manchmal so wütend und würde dann gerne..., also, Sie wissen schon, was ich meine, oder?

Antwort
Das verstehe ich voll und ganz, das geht mir ganz genauso, z.B. manchmal im Straßenverkehr oder beim Nachbarn. Das meinen Sie doch sicherlich? Ich gebe zu, das ist schon mal verlockend, so einen Raudi einfach wegzuputzen. Aber das wäre im Affekt. Und Affekt ist schlecht. Affekt ist unüberlegt und dreckig, nein, das kann ich nicht empfehlen. Für mich ist die angesprochene Schönheit im Mord ein wichtiges Element. Ich will den Mord planen, voraussehen, vorbereiten, im Kopf schon mehrfach ausführen, bevor ich es dann tatsächlich mache, verstehen Sie. Die Schönheit... und die Einfachheit der Ausführung mit einem Überraschungsmoment, das ist schön. Aber einfach so, quasi mal eben, so nebenbei – nein, das ist nicht mein Anspruch. Und Ihrer sollte es auch nicht sein. Aber das ist meine Meinung, ich weiss, dass menschen das tagtäglich anders sehen. Das kann ich dann auch verstehen. Aber es wäre nicht mein Ding.

Frage
Würden Sie den Beruf noch einmal ergreifen?

Antwort
Eindeutig ja. Ich meine, man hat viel Freizeit, man kommt herum, letzte Woche erst hatte ich einen Kontrakt auf Sizilien, doch ja, ich würde es wieder machen... ich würde sicherlich nicht mehr jeden Kontrakt annehmen, da wäre ich vorsichtiger, wissen Sie. Aber ich habe Karriere gemacht, so war ich z.B. „Europäischer Killer des Jahres“ – gewählt von 100 Berufskollegen, die im europäischen Verband vertreten sind. Doch so etwas macht dann schon Spaß. Da ist der Beruf nicht anders als andere.

Frage
Haben Sie Kontakt zu Kollegen?

Antwort
Direkten Kontakt? Selten. Erfahrungsaustausch? Nie. Konkurrenz? Manchmal.

Am ehesten noch über den Berufsbundesverband „NFK“ (Nie gefasste Killer, die Red.), da haben wir alle 5 Jahre einen Kongress. Aber bei dem geht es v.a. um Altersgrenzen, Rentenfragen, Ethikfragen, internationale Konkurrenz, die auf den deutschen Markt drückt. Stichwort „Bulgarische Billigmorde“. Aber mal auf ein Bier mit einem Kollegen – und das meinten Sie doch wohl mit Ihrer Frage - eher nicht.

 

Frage
Haben Sie Angst vor der Polizei?

Antwort
Angst? Nein, Respekt? Ja. Wissen Sie man ist ja irgendwie Kollege, gut, man steht jeweils auf der anderen Seite des Mordes, aber man ist ja auch aufeinander angewiesen. Die Kriminalpolizei braucht uns ja. So ein Mord ist für viele Kriminale DAS Highlight des Berufsjahres. Und wenn es keiner von uns war, ich meine Mitglieder im NFK, dann helfen wir auch schon mal mit dem einen oder anderen Hinweis , und die Damen und Herren Kriminalen, revanchieren sich dann bei einem „unserer Fälle“, indem sie mal wegschauen oder so. Es werden ja auch nicht alle Morde aufgeklärt – und wer sagt Ihnen, dass bei den aufgeklärten Fällen immer der richtige Täter gefasst wird.

Außerdem ist die Polizei ja saumäßig schlecht ausgestattet. Wir vom NFK griefen den Beamten und Beamtinnen schon mal mit einer Spende unter die Arme, damit sie mal ein neues Auto bekommen oder ein technisches Gerät. Wissen Sie, je höher die Aufklärungsrate, desto höher der Risikozuschlag für uns, das rechnet sich, wissen Sie.

In der Zukunft wird es schwerer werden... Unterstützen Sie mal einen Algorithmus, verstehen Sie. Wenn überall Kameras hängen, die auch noch mit Identifikationssoftware gekoppelt werden können – und ich spreche nicht von Gesichtserkennung, nein ich meine Ganzkörpererkennung z.B. durch individualtypische Bewegungsmuster – also dann wird es schwerer für uns. Aber meine Nachfolger werden auch da Mittel und Wege finde, künstliche Intelligenz auszuspielen. Der Kriminalkommissar als Kollege Computer, das wird schon noch etwas dauern. Schon wegen der Kosten... Schwerer wird es für die Amateur- und Hobbymörder werden, da bin ich mir sicher. Aber gleichzeitig wird der Bedarf an Morden mindestens gleichbleiben, und bei immer älter werdender Bevölkerung – Sie erinnern sich an meine Ausführungen zur Erbschaftssituation – wird er sogar zunehmen. „Gefühlt“ bemerke ich diesen sehr positiven Effekt ja schon heute. Denn die Alten, die sind ja einfach zu eliminieren.

Noch eine Frage? Die letzte, bitte.

Frage
Was verdient man denn so als Profikiller?

Antwort
Sie waren die Dame, die wegen Ihres Sohnes gefragt hatte, nicht wahr?

Ja, also, eine sehr intime Frage, finde ich. Aber gut. Am Anfang wird das Problem sein, überhaupt Kontrakte zu erhalten. Man ist ja noch ein Niemand, nicht wahr. Und man hat noch keine Referenzen vorzuweisen. Ehrlich gesagt, da werden Sie ihn finanziell noch unterstutzen müssen – es sei denn, er folgt meinem Rat und geht zur Bundeswehr. Und dann vielleicht als Söldner in Krisengebiete. Das wäre ein Weg, den er gehen könnte. Als Söldner hängt es natürlich auch von der Dreckigkeit der Aufträge ab, aber 4000 bis 5000 US$ sollte er da bekommen. Da kann es sich einen Namen machen... Danach kann er sich selbstständig machen. Für einen Durchschnittsauftrag wird er im Erfolgsfall so um die 10.000 $ erhalten, für Spitzenjobs bis zu 100.000 $ vielleicht plus Spesen. Aber die sind dann schon gefährlich. Also das Geld bekommt man auch in dem Job nicht geschenkt.

[Blick auf die Uhr]

Meine Damen und Herren, das war eine passende Überleitung in den Schluss dieses Vortrages. Es hat mir hier bei Ihnen viel Spaß gemacht, ich muss jetzt sehen, dass ich hier wegkomme, bevor doch noch einige Greifereinheiten auftauchen. Und ich muss auch noch ein paar Dollars verdienen.

Meine Damen und Herren, zehn Minuten habe ich noch für Bücher mit Autogramm etc. Dann wird es allerhöchste Zeit für mich, da wartet noch jemand...

 

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Kurzthriller. Waren Freunde. Eine antiamerikanische Geschichte

Publiziert in Bücher Stories KB

Eine kriminelle Geschichte mit Hang zum Thriller – der reine Wahnsinn…

Dass ich kein Fan der "Amis" bin, sage ich lieber gleich. Das war ich damals nicht, als die fast den Dritten Weltkrieg wg. Kuba angezettelt haben, auch nicht, als sie die Pershings bei uns stationiert haben, bei vielen anderen Gelegenheiten war ich es nicht (z.B. 1. und 2. IRAK-Krieg oder der Ost-Erweiterung der NATO) und bin es heute immer noch nicht. Ich sage nur: "TTIP und Trump...". Ich finde, das sind Gründe genug. Und ich traue ihne nicht - muss man mehr sagen als NSA?

Übrigens hieß die Geschichte mal "Wahre Freunde...", das habe ich geändert in "Waren Freude...". Als meine Antwort auf Donald "Blondy" Trump.


Einleitung
Damit Sie die folgende Geschichte verstehen können, müssen Sie wissen, dass die junge Volontärin der Nordholmer Zeitung, Laura-Marie de Gouvy und ihr Gesprächspartner, der Thriller-Autor Claudio Cabra bei einem Interview erschossen wurden.
Dass Laura-Marie mit ihrer sehr properen Figur, dem roten Kurzschopf und den Sommersprossen rund um die Stupsnase ziemlich hübsch war, spielt im Zusammenhang mit dem hier Geschilderten keine Rolle, aber warum sollten Sie es nicht erfahren? Laura-Marie war ein lebenslustiges Mädchen, das stolz war, so hübsch zu sein. Es war Laura-Maries erster journalistischer Coup, dass es ihr gelang, den Bestsellerautor Claudio Cabra zu diesem Interview zu überreden.
Laura-Marie und Claudio Cabra wurden von zwei Killern ermordet, die unmittelbar nach den tödlichen Schüssen von einem unbekannten Präzisionsschützen erschossen wurden, der spurlos verschwand und bisher nicht gefasst werden konnte. Die Redaktion geht inzwischen davon aus, dass der Autor sich von einem unbekannten Bodyguard beschützen ließ.

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