Jens+Mari+Rudi+Ernst: Tipps und Tricks beim Morden. Ein Fachvortrag

Freigegeben in UnpolitischeGeschichten

    Vom Autor überarbeitete und ergänzte Version vom 18. Feb.2015        Bei dem folgenden Text handelt es sich um das schriftliche Protokoll eines Vortrages der anläßlich des 5. Ostholsteiner Kriminal-Tages gehalten wurde. Wir danken Jens+Mari+Rudi+Ernst für die kostenlose Überlassung. Dem Titelbild liegt ein fotolia-Foto zugrunde.

Mord. Aus Sicht des Mörders
Tipps und Tricks beim Morden

Abschrift eines Vortrages anlässlich des
5. Ostholsteinischen Kriminal-Tages in Preetz


Sehr verehrte Damen und sehr geehrte Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Kriminalromans,

ich freue mich sehr, heute hier Ihr Gast beim „5. Ostholsteiner Kriminal-Tag“ sein zu dürfen. Mein Thema ist einfach, themenbezogen und ziemlich kurz. Im Programm lautet es schlicht: „Mord!“. Wenn Sie es erlauben, möchte ich es ein wenig ergänzen, nämlich um „Aus Sicht des Mörders“. Untertitel: "Tipps und Tricks beim Morden".

Bevor wir im Programm weiter machen, gestatten Sie die Frage: Ist jemand von der Polizei da? Kripo, Schutz- oder Bundespolizei, Zoll oder verwandte Berufe? Bitte melden Sie sich! Heben Sie einfach Ihre Hand.

Ich sehe keine Hände. Also nein? Gott sei Dank, das macht mir die Sache einfacher, ich kann ehrlicher zu Ihnen sein – das liegt mir auch mehr. Sonst hätte ich um manches heiße Eisen herum reden müssen, jetzt kann ich ganz offen reden. Noch eine Frage: Ihre Handies haben Sie alle am Eingang abgegeben? Hat noch jemand ein Zweit- oder Dritthandy in der Tasche? Nein? Sehr gut. Dann können wir eigentlich anfangen.

[Zwischenruf aus dem Publikum]

Was? Entschuldigung, was sagten Sie? Sie müssen bitte lauter sprechen, ich bin ja schon etwas älter… Ach so, warum Sie das Handy abgeben mussten? Na, die Antwort liegt doch auf der Hand, meine Dame, damit Sie im Laufe des Vortrages nicht die Polizei rufen können, wenn Ihnen danach sein sollte… Bitte haben Sie auch keine Angst, dass die Saaltüren verschlossen wurden…

Gut, das hätten wir geklärt, daher darf ich uns kurz vorstellen.

Sehe ich da verdutzte Gesichter? Nein, es kommt niemand außer mir auf die Bühne, trotzdem möchte ich nicht mich sondern „uns“ vorstellen. Normalerweise werde ich mit Jens angesprochen, der Nachname tut nichts zur Sache, wir lassen ihn heute weg. Natürlich wegen der Anonymität. Ich frage ja auch nicht nach Ihren Nachnahmen… Wieder zu uns: Ich bin also der Jens, manchmal aber auch die Mari, der Rudi oder der Ernst. Nein, ich wechsle nicht die Namen wie andere das Hemd, um andere zu täuschen. Der Grund ist, in unserem (unserem!) Kopf leben mehrere Persönlichkeiten.

Ich bin als Jens geboren worden. Als ich ein Teenager war, tauchte zu meiner Überraschung plötzlich die Mari auf, man, das war ein Ding, das kann ich Ihnen sagen, plötzlich hatte ich ein junges Mädchen im Kopf! Später trudelte der Rudi bei uns beiden rein, und vor kurzem erst der Ernst.

Wir sind…, nun ja, wir sind unter uns, wir sind Mörder, Profimörder. Wir leben davon, anderen existenzielle Probleme von der Seele zu nehmen. Deshalb haben die Veranstalter mich ja auch eingeladen, denn sie dachten wohl, wenn einer wirklich kompetent über Mord sprechen kann, dann wir vier. Jetzt verstehen Sie auch, warum ich nach der Anwesenheit der Polizei gefragt habe…

So weit, so gut, jetzt kennen Sie uns. Ich bin der Älteste, zur Not entscheide ich, wenn die anderen uneinig sind. Heute spreche ich, der Jens. Mag sein, dass Mari oder einer von den Jungs sich irgendwann einmal einmischt, aber das ist unwahrscheinlich.

Ich sollte vielleicht noch sagen, dass die Mari die beste Schützin von uns ist, Rudi manchmal ein bisschen ruppig mit den Opfern umgeht, und Ernst ist unser kopfinterner Intellektueller.

Kommen wir zurück zum Thema. Sie alle sind ja Spezialisten, wenn es um Mord geht. Sie lesen Kriminalromane, wahrscheinlich „vertilgen“ Sie sie geradezu, Sie schauen jeden Kriminalfilm im Fernsehen und Kino. Noch eine Frage ans Publikum: Wer weiß denn spätestens nach der Hälfte des Romans, wer der Mörder ist?

Ah, hatte ich mir gedacht, fast die Hälfte. Wenn ich ehrlich sein soll, ich schaffe das nie! Daher versuche ich das auch nicht. Aber, ganz ehrlich, ich lese auch nicht mehr viele Krimis und schaue auch kaum noch welche im Fernsehen an. Zu läppisch, wissen Sie, viel zu läppisch, viel zu weit weg von der Realität, von meiner Realität, finde ich. Schon, weil die Polizei immer (immer!) den Mörder fasst. In der Realität ist das natürlich Unsinn - aber darauf werde ich noch zu sprechen kommen. Und wo gibt es in der Realität ein happy end?

Aber zurück zu dem Krimis. Ich will Ihnen auch gerne den wahren Grund nennen, warum ich die nicht mehr sehen mag, indem ich eine kleine Geschichte erzähle: Neulich habe ich mal wieder reingeschaut in so einen Tatort, ich glaube, es war ein Tatort: Wenn ich da schon die alte Frau Glas in einer Rolle als Kommissarin – ich glaube, sie war Kommissarin – durchs Bild rennen und schießen sehe, nee, wirklich nicht… Wenn ich mich recht erinnere, hat sie sogar im Laufen geschossen und auch noch den Richtigen getroffen, nicht einmal richtig gezielt hat sie – oder war das doch anders, was sie das Opfer? Es ist im Grunde wirklich egal, also, dann kann ich das nur noch als Lustspiel sehen.

Versuchen Sie einmal a.) in dem Alter b.) mit Pumps c.) zu laufen und d.) zu schießen und e.) zu treffen… Nee, das geht gar nicht. Ich werfe das ja auch nicht der Frau Glas vor, als „Schätzchen“ war die damals ja auch recht niedlich, vor allem in der Szene mit dem Korsettchen im Bett, ich werfe das dem Krimi im Fernsehen an sich vor, oder den Drehbuchautoren, die schreiben doch wirklich nur Scheiße, entschuldigen Sie bitte, aber so ist das doch!

Lassen wir das jetzt. Um mir ein Bild zu verschaffen, stelle ich eine weitere Frage an Sie in den Raum: „Wer hat denn schon einmal…, also gemordet?“. Sie müssen nicht schüchtern sein, Sie können ehrlich sein, sie können sich ruhig melden… Ist ja keine Polizei da. Das haben wir ja schon festgestellt. Was? Frage an die Technik: Kann ich mal Licht im Saal haben?

Bei der Gelegenheit bitte einen Applaus für Ralle, unseren Techniker, ohne den würde hier nichts gehen.

Danke, danke, ich finde, das reicht denn doch schon mit dem Geklatsche…

Wie, keiner? Ich sehe keinen einzigen Arm! Oh doch, dahinten reckt sich ein Arm hoch. Ja, Sie, Frau Kollegin, wenn ich Sie so ansprechen darf, wen oder was haben Sie…?

Wie bitte? Bitte etwas lauter… Ach so, ein Huhn. Ha ha, seien Sie mir nicht böse, aber den Witz erlebe ich so gut wie bei jedem Vortrag, der ist so alt wie die Bibel. Ja, also, ein Huhn ist ja auch ein Lebewesen, das könnte ich als Veganer zum Beispiel nicht töten. Hühner, das sind doch die Tiere, die auch ohne Kopf noch durch den Hof laufen sollen, oder? Nee, nix für mich. Ich stelle mir dann vor, ich sollte Klaus Störtebeker, der ist doch auch noch ohne Kopf…, oder? Brrr…

Sonst niemand? Ich meine jetzt keine Hühner oder andere Tiere, ich meine Menschen?

Wenn doch, dann müssen Sie sich nicht schämen. In Deutschland sterben nämlich auch ohne Sie schon pro Jahr ungefähr 830.000 Menschen. Davon machen etwa 10.000 Selbstmord. Nur 800 werden ermordet. Ist eigentlich egal. Also, ich glaub´ ja nicht, dass 819.200 Menschen "stinknormal" gestorben sind – also an Krebs, an Schlaganfall oder Herzinfarkt, erstaunlich wenige an Unfällen oder sonstwas verstarben.

Sie glauben doch auch nicht wirklich, dass die alle…, also bis auf die offiziell 800 Ermordeten, normal gestorben sind, dazu dürfte Ihnen als Krimileser und -seher der "gemeine Mord" viel zu nahe sein.

Wenn im Jahr in Deutschland 2500 Krimis veröffentlicht werden (und ich denke, ich bewege mich im Zeitalter des Selbstpublizierens damit im Rahmen einer sehr konservativen Schätzung) und wir pro Krimi durchschnittlich nur 4 Morde veranschlagen, sind wir schon bei 10.000+ Morden.

Und das nur in den Büchern, von den vielen Kriminalfilmen von der Vorabend-SOKO, über Rosenheim-Cops etc. bis zu Tatort und Morden im Norden habe ich die Ermordeten ja noch gar nicht mitgerechnet. Die Donna Leon-Toten, die in Venedig anfallen, habe ich allerdings bereits weggelassen, und die von den Wiederholungen auch!

Nein, das werden schon sehr viel mehr Morde sein, überschlagsweise komme ich auf 20.000 Mordopfer ohne die 800 „Offiziellen“ – sehr viel mehr. Ich denke mir, dass das die Politik nur nicht zugeben will...

Bei den unentdeckten Morden werden viele Verwandte sorgfältig-liebevoll nachgeholfen haben – mal die Tabletten versteckt, mal die falschen gegeben, mal den Opa im Wald versteckt oder besser, unter dem Wald, mal der Oma nachts das Fenster offen gelassen, damit sie eine Lungenentzündung bekommt...

Die Polizeistatistiken besagen, dass so gut wie jeder bekannt gewordene Mord in Deutschland aufgeklärt wird. Man muss da allerdings genau hinhören: „Bekannt gewordene“!

Über die nicht bekannt gewordenen sagt die Statistik nämlich nix… Was glauben Sie, wie viele falsche Totenscheine tagtäglich von unerfahrenen oder gutgläubigen Ärzten in Deutschland ausgestellt werden? Ganz abgesehen von den Hausärzten, die denn wissen, was sie tun...?

Und was ist mit denen, die mit den Opfern zum Sterben ins Ausland fahren? Sterbehilfe einmal anders – nämlich ohne Einwilligungserklärung! Rauf auf den berg mit der Gondelbahn, runter im freien Fall, solche Sachen meine ich. Oder eine gemeinsame Wattwanderung bei auflaufender Flut und Oma kann nicht mehr so gut schwimmen! Die finden dann nur noch die Aale…

Das wird man doch einmal fragen dürfen? Und: Allein meine Anwesenheit im Saal beweist ja schon, dass bei weitem nicht alle Morde bekannt und aufgeklärt werden… Ich könnte Ihnen da Geschichten erzählen…

Aber kaufen Sie lieber meine Bücher, da ist alles ganz genau geschildert! Hinzu kommt ja noch, es werden ja auch nicht reihenweise Kollegen verhaftet und verurteilt…

Na gut, dann bin ich also der einzige hier im Raum mit einschlägigen Erfahrungen… Das hatte ich so nicht erwartet, mit vier bis fünf Händen hatte ich schon gerechnet, hier in einer bäuerlich dominierten Gegend, wo sicherlich nicht jeder Altbauer zu rechten Zeiten aufs Altenteil will… Ich war neulich zu einem Vortrag in einem österreichischen Hochtal, weit weg, ziemlich düster, da haben sich – zugegeben nach Zögern und gutem Zureden von Bekannten – doch vier oder fünf gemeldet. Und da war das Publikum nur halb so groß wie hier…

Na gut, lassen wir das. Also, wir sind Profis, ganz echte Profikiller! Nein, nein, nun kriegen Sie man keinen Schreck, Sie müssen auch nicht gleich zurückrutschen, meine Dame, ich bin heute „gut drauf“, viel zu gut, um irgend jemandem im Saal etwas antun zu können. Oder zu wollen. Sind auch zu viele neugierige Zeugen da.

[Lachen im Saal]

Also, ich bin ein Mörder, ein richtiger Mörder, ein Killer, ein Auftragskiller…

[Beifall im Saal]

Und ich möchte Ihnen heute ein wenig aus dem Nähkästchen eines Auftragskillers erzählen.

[Atemlose Stille im Saal]

Aber um das vorweg zu nehmen, nein, wir geben keine Mord-Kurse mehr, wir verkaufen auch keinen Baukasten „Der kleine Mörder. Für Kinder ab 8 Jahre“. Das war früher einmal, heute nicht mehr.

Reden wir endlich über das Thema, für das ich honoriert werde, dessenwegen Sie gekommen sind: Mord!

Ein Mord ist ja eigentlich immer das Ende, das bittere Ende einer mal kürzeren, mal längeren Geschichte – das „bitter“ bezieht sich auf die Sicht des oder der Ermordeten.

Sagen Sie einmal, legen Sie in diesem Zusammenhang Wert auf dieses neumodische Gegendere? Dass ich also immer Opfer/Opferin sage? Nein? Gut, das macht die Sache für mich einfacher. Wenn ich im Folgenden also von „ihm“ spreche, ist auch immer „ihr“ gemeint.

Also, dem Mord geht in der Regel einiges voraus: Meist eine Verletzung – eine seelische oder eine pekuniäre Verletzung, also ein Fremdgehen oder ein Geldverlust, evtl. auch nur ein virtueller Geldverlust, wenn also der Opa nicht sterben will, wo der Enkel doch dringend die Erbschaft braucht. So etwas meine ich mit Verletzung. Oder einfach ein mieser Charakter des Mörders, der sich in Neid und Gewaltbereitschaft äußert.

Ich lasse hier einmal die sogenannten Beschaffungsmorde weg. Natürlich ist ein Mord wegen einer Erbschaft auch ein Beschaffungsmord, aber das meine ich nicht, mit Beschaffungsmord meine ich ein Tötungsdelikt wegen oder unter Drogen. Damit habe ich nix am Hut, damit will ich auch nix zu tun haben. Deshalb gehe ich darauf nicht ein.

Ich rede über den ganz normalen Durchschnittsmord und –mörder, den Mörder wie Du und wir, wenn Sie erlauben, oder wenn Ihnen das denn doch zu nahe ist, den Mord in der Nachbarschaft .

Selbst beim sogenannten Mord im Affekt dauert es bekanntlich etwas, bis es tatsächlich zum Mord kommt. Man mordet ja eigentlich nicht sofort, aus Jux und Tollerei, oder wenn doch, dann selten.

Wenn Sie mich fragen, gibt es Mord im Affekt gar nicht, der kommt vielleicht etwas plötzlich, aber keinesfalls im Affekt. „Affekt“ ist etwas Gutes für den Anwalt, der kann mit „Affekt“ argumentieren, das Strafmaß damit etwas herunter handeln, das ist alles… Aber mal ganz ehrlich, wenn ich von „Affekt“ in Bezug zu Mord höre, muss ich immer schmunzeln. Ich würde nie im Affekt…, ich finde, der Qualitätsmord will geplant sein.

Gut mancher Mörder mag etwas überrascht tun, wenn das Opfer plötzlich (?) tot vor ihm liegt, aber ich glaube da nicht dran. Obwohl da oben in dem Bergtal, da waren schon einige, die waren so schlicht gebaut, dass ich denen das abnehmen würde – aber auch nur denen.

Der ernsthafte Mord passiert eben nicht im Affekt, der ernsthafte Mord ist immer mehr oder weniger geplant. Dann dauert das in der Regel etwas oder auch etwas länger… In der Zeit passiert ja noch einiges. Sie kennen das aus den Romanen oder Filmen – Streite, Schreiereien, Auseinandersetzungen (auch mal körperlich) zwischen späterem Mörder und späterem Opfer, das Motiv wird verstärkt. Der Wille zum Töten kommt hinter irgendeiner Gehirnwindung hervor wie ein Drache hinter einem…, ja, wo kommen Drachen eigentlich hinter heraus? Meistens aus einer Höhle, glaube ich. Na gut, dann kraucht der Mordgedanke eben auch aus einer unbewussten Höhle im Gehirn des Mörders heraus – huhuhu!

Egal, aber Sie verstehen, was ich meine, er taucht langsam auf, langsam und verschwommen, dann wird der konkreter – zuerst der Mordgedanke, dann der Plan und schließlich die Durchführung. Erst ist er nur da, der Gedanke, dann wird er erst einmal verscheucht, aber er kommt wieder… Irgendwann lässt er sich dann nicht mehr verscheuchen, dann entschließt man sich zum Mord. Aber der Weg war vorgezeichnet.

Gut – aus meiner Sicht. Ich finde Morde ja per se ganz gut.

Nicht gut aus Sicht des späteren Opfers, aber das weiß ja noch von nichts, das lebt ja noch ganz friedlich-schiedlich vor sich hin. Gönnen wir ihm diese Zeit. Möge sie sogar schön sein. Es hat ja nicht mehr lange.

In dieser Zeit hat es der potenzielle Mörder schwerer als das Opfer, das ja von nichts ahnt, denn der Möchtegernmörder geht jetzt mit der Idee des Mordes schwanger. Eine Schwangerschaft ist eine schwere Zeit, fragen Sie einmal Ihre Mutter! Mit einem Mord, vor allem dem ersten, schwanger zu gehen, ist eine verdammt schwierige Zeit für einen Laien oder für den Erstmord-Täter. Er muss sich entscheiden, wann und wie? Er muss, er sollte sich ein Alibi verschaffen. Er muss sich eine Waffe verschaffen.

Die Frage nach der Waffe ist entscheidend. Klar, ein Küchenmesser ist schnell gefunden, ein Hammer auch… In amerikanischen Krimis ist der sogenannte Eispickel sehr beliebt. Der Eispickel ist eines der gemeingefährlichsten amerikanischen Werkzeuge. Aber finden Sie hier bei uns mal einen geeigneten Eispickel! Dass der Eispickel bei Mördern in den USA so beliebt ist, muss daran liegen, dass der Kühlschrank in den USA noch nicht so weit verbreitet ist…

Bei Morden auf Schiffen wird auch gerne mal ein Belegnagel oder ein Marlspieker verwendet – Werkzeuge, die man an Land kaum noch findet. Also, wenn Sie ein Boot mit Belegnagel oder Marlspieker haben: Hände weg! Klar, die sind verlockend – aber die sind verräterisch, die haben sie gleich…

Bleiben wir beim Boot: Boot ist gut! Im Winter, bei 2°C Wassertemperatur, überlebt keiner, der über Bord fällt – Sie dürfen dann dem Opfer eben nicht wieder ins Boot helfen, da braucht man Nerven, aber das geht fix, maximal 4 Minuten!

Im Sommer braucht es deutlich länger, warten Sie auch nicht auf den vorbeischwimmenden Haifisch, der beißt nur vor Australiens Stränden zu, der kleine Knabberer… Nein, ein Wassermord in hiesigen Breiten nur im Januar-Februar!

Sehr gerne wird in Krimis eine Schusswaffe verwendet: Von Pfeil und Bogen bis hin zur israelischen Uzi.

Bei Pfeil und Bogen gilt: Das muss man gelernt haben, das muss man können – und die, die das können, sind polizeibekannt. Ohne Übung schießen Sie sich eher in den eigenen Fuß als dem anderen in den Hals. Wenn Sie also ein Bogenschütze sind und in Ihrem Bekanntenkreis wird jemand mit Pfeil und Bogen erschossen… - verabschieden Sie sich schon mal von Ihren überlebenden Lieben, Sie werden sicher bald hinter Schloss und Riegel sitzen, wenn in Ihrem Freundeskreis nicht viele Mitglieder im Bogenschützenverein sind, denen Sie das anhängen können. Aber das geht sogar bei Inspector Barnaby regelmäßig schief.

An eine Uzi werden Sie wahrscheinlich nicht herankommen, es sei denn Sie waren beim IS – aber dann stehen Sie unter Beobachtung, auch, wenn Sie es noch nicht bemerkt haben sollten. Lassen Sie für die nächsten dreißig Jahre besser die Finger von Ihrer Uzi, ehrlich. Die ist dann etwas für Ihren persönlichen Altersmord.

Überhaupt, ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Menschen in Fernsehkrimis mit Waffen herumlaufen? Oder jedenfalls eine Pistole in der Schreibtischschublade liegen haben? Jederzeit griffbereit!

Wenn das in der Realität so wäre, bräuchten wir uns nicht mehr über die US-amerikanische Waffenlobby aufzuregen, das wären dann nämlich Anfänger.

Ich frage das jetzt nicht, sie müssen sich also nicht melden, aber Sie können ja mal darüber nachdenken, wem Sie hier im Saal zutrauen, zuhause eine Waffe zu haben?

[Bewegung und Raunen im Saal]

Sehen Sie, genau das habe ich gemeint. Wenn Sie eine haben, kann ich Ihnen nur raten, verstecken Sie sie gut – für alle Fälle, Sie wissen ja nie. Sie können ja nicht wissen, ob Sie nicht vielleicht auch mal in Versuchung kommen könnten… Falls Ihr Ehepartner es mal mit jemand anders treibt, oder so… Sie verstehen?

Wenn Sie keine Waffe besitzen, haben Sie verdammt gute Chancen, auch keine zu kriegen. Es sei denn, Sie fragen im einschlägigen Teil Ihres Freundeskreises, wer Ihnen eine leihen könnte – aber da kann ich nur sagen: Vorsicht! Sie können sich erfahrungsgemäß einfach nicht darauf verlassen, dass der Leihgeber die dauerhaft die Schnauze hält oder wenn doch, dass er sie dann nicht irgendwann mit seinem Wissen erpresst. Menschen sind so gemein, ehrlich! Wenn es einer weiß, dann ich.

Also geben Sie die Waffe besser nicht zurück, dann haben Sie im Falle einer Erpressung schlussendlich das bessere Argument in der Hand – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Sie wollen aber doch lieber wissen, wo Sie eine eigene Schusswaffe her bekommen könnten? Was fällt Ihnen denn ein? Hamburg-St. Georg? Läge nahe. In Kiel am Puff? Möglich. Und wie machen Sie das? Sie schlendern in einer regnerischen Nacht durch St. Georg, und wenn Ihnen ein besonders finsterer Typ entgegenkommt, dann sagen Sie freundlich: „He, Sie, Sie sehen so aus, als würden Sie mit Pistolen handeln…, was haben Sie denn im Angebot…“? Ehrlich? Wahrscheinlich doch nicht.

Gut, nehmen wir an, Sie meiden die finsteren Typen in den dunklen Straßen, Sie gehen statt dessen in eine möglichst miese Pinte (gerne eine jugoslawische), in der die anderen finsteren typen verkehren, und fragen den Mann hintern Tresen, ob er jemand kennen würde, der mit Pistolen handelt? Also nicht en gros, Einzelhandel? Hhm, auch nicht sehr wahrscheinlich, dass Sie tatsächlich eine bekommen, die Wahrscheinlichkeit tendiert auch nicht gegen Null, aber viel wahrscheinlicher ist, dass er Ihnen erstens eine aufs Maul haut, und Sie zweitens mit Balkan-Akzent hochkant rauswirft!

Ach so, Sie fahren nach Polen, weil da haufenweise Waffen am Straßenrand verkauft werden? Möglich. Sie können polnisch? Sie können auf polnisch fragen: „Haddu Pistole?“. Sie glauben wahrscheinlich, das man mit dem Polen in einfachen kurzen Sätzen sprechen muss, damit er Sie versteht? Damit haben es sich unsere Großväter schon in Polen versaut. Aber muss ich mehr sagen? Wahrscheinlich kriegen Sie wieder eine aufs Maul. Besonders, wenn Sie in kurzen Sätzen auf deutsch fragen. Diesmal mit polnischem Akzent – und zwar völlig zu Recht.

So ähnlich wird es Ihnen auf großen Märkten gehen. Sie geraten höchstens an einen V-Mann, nicht gut, gar nicht gut!

Letzte Möglichkeit: Ukraine. Da gibt es Waffen en mass! Wahrscheinlich sogar zu kaufen, glauben Sie? Na, denn fragen Sie man mal eine Mutti, die in Kiew irgendeinen Prospekt entlang schlendert. Außerdem müssen Sie die Waffe, wenn Sie eine bekommen haben sollten, durch die EU-Außengrenze schmuggeln. Und wehe, die erwischen Sie! Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie vom Verkäufer an den Zoll verraten wurden. Das ist nicht persönlich gemeint, es dient nur der atmosphärischen Verbesserung zwischen Zoll und Waffenhändler. Seien Sie Ihrem Verkäufer nicht böse…, das Geschäft läuft einfach so, die Amateure werden verhaften, damit die Profis überleben können.

Bleiben das Messer oder der Hammer. Beides funktioniert, keine Frage. Sie brauchen gewisse Grundkenntnisse in Anatomie, damit Sie wissen, wo sie hin- und wo sie nicht hinstechen müssen. Gut, die kann man sich aneignen. Machen Sie einfach einen Erste Hilfe-Kursus.

Das Dumme ist, mit Messer oder Hammer müssen Sie dicht an Ihr Opfer heran, am besten von hinten, da ist es einfacher. Und wenn Sie endlich soweit sind und Ihr Opfer Sie hört, sich umdreht und dann treu anschaut, erst in die Augen, dann auf das Messer in Ihrer Hand und schließlich wieder in Ihre Augen, und Sie dann fragt, was denn jetzt werden soll, willst du mich etwa umbringen und warum denn, dann dürfen Sie nicht weich werden, bleiben Sie stahlhart: Opa muss jetzt sterben, weil Opa zu lange gelebt hat – zumindest in Ihren Augen. Sagen Sie nichts, denn das könnte jetzt in ein Gespräch ausarten. Nicht gut. Wir reden nie mit unseren Opfern, schon aus Erfahrung.

Nehmen wir an, Sie überwinden allerletzte nicht erwartete Hemmungen und stechen zu, dann denken Sie daran: Nicht nur so ein bisschen, da müssen Sie schon richtig hinlangen, der erste Stich muss mindestens fast tödlich sein, besser ganz.

Und dann fängt das Opfer an zu bluten – erlauben Sie mir die Offenheit –, es blutet jetzt wie eine Sau, die abgestochen wird. Das Blut spritzt meterweit! Trifft Sie vielleicht. Bleiben Sie tapfer, jetzt schon wegen der DNA-Spuren dürfen Sie sich nicht übergeben – jetzt müssen Sie noch zwei- oder dreimal gezielt zustechen, damit das Opfer tatsächlich stirbt.

Stellen Sie sich mal vor, Sie würden nicht richtig zustechen, und das Opfer überlebt, und Sie müssen Opa beim 90sten Geburtstag oder so irgendwann einmal wieder unter die Augen treten: Die Situation kann dann sehr, sehr peinlich werden… Außer er hat Alzheimer, dann hat es es vergessen…

[Lachen im Saal]

Mit einer Schusswaffe geht das Morden natürlich deutlich „sauberer“. Allerdings nur, wenn Sie schießen können!

Ich habe neulich einen Bekannten zum Schießtraining mitgenommen und ihm eine Glock mit 15 Schuss im Magazin in die Hände gedrückt. Sie, ehrlich, erst war´s lustig, dann nur noch peinlich. Sie müssen wissen, man schießt auf 25 Meter auf Scheiben von circa einem Meter Durchmesser. Mein Bekannter hat alles getroffen: Die Lichtleitung an der Decke, mehrere Kakerlaken am Boden, die nur er gesehen hat (es war ein Massaker), die Scheibe auf der Nachbarbahn – nur die eigene Scheibe nicht. Nein, wenn der sich mal entschließen sollte, jemanden zu erschießen, kann ich ihm nur raten, nicht weiter als einen halben Meter vom Opfer entfernt abzudrücken, am besten aufgesetzt, sonst fällt das Opfer höchstens vor Lachen um.

Ich habe Ihnen jetzt von jeder Mordmethode abgeraten. Das gilt auch für Gift (eher für italienische Päpste geeignet) oder Strom (das ist besser für intensive Verhöre á la Abu Ghraib) oder Überfahren mit dem Auto. Alles unsicher, alles hinterlässt Spuren, die zu Ihnen führen!

Spätestens beim dritten oder viertem Mord haben die sie.

Ich hoffe, ich habe Sie nicht enttäuscht oder Ihnen die Freude am Mord genommen. Ich will Sie ja auch gar nicht vom Morden abhalten. Das kann schon auch Spaß machen. Es ist nur so, die meisten Hobbies machen ja erst dann richtig Spaß, wenn man sie beherrscht. Das gilt für das Schachspielen, wie für das Segeln, das postmenopausale Malen und natürlich auch für das Morden. Meine Botschaft lautet: Man muss es nur richtig machen!

Eines möchte Ihnen für den Fall, dass Sie es dennoch selber machen wollen, mitgeben: Übertöten ist grundsätzlich schlecht. Was das heißt? Nun, Ihr Opfer kann relativ unauffällig die Treppe herunter fallen oder vom Balkon. So etwas passiert. Da kommt nicht einmal unbedingt ein Verdacht auf.

Wenn der zum Tatort gerufene Polizist aber ein Opfer mit zwei Einschüssen in der Brust und einem im Kopf vor sich hat, fällt im das schon schwerer, so zu tun, als ob nichts geschehen sei, so sehr auch der Kindergeburtstag bei seiner Lebensgefährtin drängeln mag, bei dem er sein Kommen garantiert hat (Kommissare im Buch oder Film haben immer solche Probleme).

Beim Treppensturz oder einem einzelnem Hammerschlag auf den Vorderkopf kann der Kommissar mit zu vielen Überstunden sagen, dass er keinen Verdacht hat, das ei ein selbst verschuldeter Unfall, er gehe jetzt „abbummeln“… Vielleicht schreibt er auch "Selbstmord" oder (wenn er Hauptkommissar ist) „Suizid“ in das entsprechende Formular.

Das ist übrigens der wahre Grund, warum Kommissare immer im Pärchen auftreten: Dann kann das Faul-Gen sich nicht so leicht durchsetzen, denn dann sagt der erste Kommissar vielleicht „Scheußlicher Selbstmord, was? Selten gesehen. Drei tödliche Kugeln…“, aber der zweite Kommissar wendet eventuell ein (außer sie ist die Mutter zum Kindergeburtstag oder er ist auch zum Kindergeburtstag eingeladen): „Hhm, ich weiß nicht, ich weiß nicht, kommt mir irgendwie spanisch vor, drei Schüsse, keine Waffe da, sollten wir nicht lieber die Spurensicherung…?“

Dasselbe gilt übrigens auch bei zu vielen Messerstichen. Ein Stich im Bauch ist noch okay, vor allem wenn das Opfer ein Japaner ist, da kann das sogar eine gute Idee sein, aber fragen Sie sich mal ehrlich, wie viele Japaner wollen Sie abmurksen?

Sehen Sie - das habe ich gemeint: Machen Sie es richtig, tun Sie genug aber nicht zuviel des Guten! Das Opfer muss richtig tot sein – aber eben nicht zu tot!

Sie wollen es tatsächlich richtig machen? Gut, was rate ich Ihnen denn nun als Professioneller?

Wenn Ihnen egal ist, dass Sie erwischt werden, wenn Sie jemanden „nur so“ umbringen wollen, und wenn sie unheilbar krank sind, und wenn Sie nur noch ein Jahr zu leben haben, dann (aber nur dann) gehen Sie los, und bringen Sie Ihr Opfer ruhig um. Dann können Sie auch mit rauchender Leihpistole neben dem Opfer stehen bleiben… Wenn Sie Glück haben, sagt der Bulle sogar: „Nun mach´ mal Platz hier, Omchen, das ist jetzt ein Tatort, geh man lieber nach Hause – aber lass die Pistole da…“

Wenn Sie dagegen, wie eigentlich jeder normale Mörder, einen Profit aus dem Mord schlagen wollen (sei es Befriedigung oder Geld), dann sollten Sie besser nicht gefasst werden.

Das wird schwer, weil, die Polizei mag ziemlich doof sein, aber sie sind nachtragend! Die lassen nicht locker – außer Sie sind gut befreundet…

Im Endeffekt ist es eigentlich immer am besten, Sie wenden sich an einen Profi!

Geben Sie den Mordauftrag, fahren Sie mit Freunden oder Familie (Freunde ist besser, Ihr Ehepartner lässt Sie evtl. mit seinem Aussageverweigerungsrecht beim Alibi hängen) fort, kommen Sie erst wieder, wenn der Mord in der lokalen Zeitung berichtet wurde. Wenden Sie sich sehr betroffen (!) an die Polizei...Seien Sie bereit zu helfen – oder seien Sie so betroffen, dass Sie noch nicht aussagen können.

Aber auch hier gilt: Nicht zu viel des Guten ist besser!

Sie treffen den von Ihnen beauftragten Profi höchstens einmal, besser gar nicht. Überweisen Sie kein Geld, erwarten Sie keine Rechnung, machen Sie keine Unkosten bei der Steuererklärung und keine Mehrwertsteuererstattung geltend. Seien Sie also nicht geizig, Geiz ist in Zusammenhang mit Mord gar nicht geil! Das Geld hinterlegen Sie bar in einem Versteck…

Keine Spur führt zu Ihnen, Sie haben mit keiner Sauerei zu tun alles geht blitzschnell und blitzsauber.

Ich sehe die Frage geradezu in Ihre Gesichtern geschrieben: Und wie komme ich an so einen Profi?

Wer ernsthaftes Interesse hat, kann sich nach dem Vortrag gerne an mich wenden, ich verkaufe dann mein Buch „Morden – aber richtig“ im Foyer, gerne mit Signatur, und lege unauffällig eine Visitenkarte einer international tätigen Organisation hinein, auf der Sie die Kontaktdaten finden. Diese Adresse ist aus einsehbaren Gründen allerdings höchstens 14 Tage gültig. Dort erfahren Sie auch das allfällige Honorar und das weitere Vorgehen.

Meine damen und Herren, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit

[Lang anhaltender Applaus und "Zugabe"-Rufe]

 

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