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Ukraine und Getreide

Gestern ist ein ewig langer Zug mit militärischem Schrott hier durch Stralsund gefahren – ich vermute in die Ukraine. Wohin sonst? Mit Taiwan sind wir ja noch ganz so weit, und die würden sowas auch nicht nehmen.

Da fährt also ein Zug mit Militär-LKW, Kübelwagen (heißen die noch so?) und leichten Panzern in die Ukraine. Irgendwo an der polnischen Grenze werden die Waffen wahrscheinlich auf Waggons der ukrainischen Eisenbahn umgeladen (die haben eine andere [russische] Spurweite, wie jeder weiß). Und dann werden die deutschen Hilfslieferungen an die ukrainische Front verfrachtet – mit der Eisenbahn, wie man hört.

Die Züge mit den Waffenlieferungen benutzen natürlich dieselben Gleise wie die Getreide-Export-Züge mit Weizen und Mais für die Hungernden der Welt. Dass die Russen die Eisenbahn-Infrastruktur beschießen und vermutlich auch treffen, auf denen die Züge in einer Richtung Waffen bringen erscheint mir aus militärischer Logik sinnvoll. Im krieg geht es schließlich darum, die Ressourcen des anderen zu minimieren, bis er aufgibt oder aufgeben muss.

Nun transportieren (andere?) Züge mit (anderen?) Waggons auf denselben Gleisen in der Gegenrichtung eben das Getreide. Das wird in dem Moment schwierig, in dem der Russe eben Weichen und Gleise zerstört hat.

Dann kommt unsere Presse ins Spiel und erzählt uns, der Russe würde gezielt Eisenbahnanlagen angreifen und auch noch zerstören, die für den Getreideexport für die Hungernden der Welt gebraucht werden.

Das ist ein Punkt.

In Seehafen von Rostock bereitet man sich in einer riesigen Getreideverladeanlage darauf vor, eben dieses Getreide aus der Ukraine zwischenzulagern und dann zu verschiffen. Das wird vermutlich ein gutes Geschäft werden.  In der Ostsee-Zeitung war gestern zu lesen, dass schon vier Züge mit Mais unterwegs seien. Jeder würde 2.000 Tonnen Mais bringen, zusammen also 8.000 Tonnen. Hört sich nach viel an. Ist aber nicht viel. So ein normaler Massengutfrachter (für Getreide) lädt mindestens 50.000 Tonnen. Da müssen also noch viele Züge kommen, damit der erste Frachter halbwegs beladen werden kann.

Andererseits stehen bei uns nicht viele Waggons für Getreide zur Verfügung, man muss deshalb für den Transport auf Container ausweichen. Ach so, Loks haben wir auch nicht genug. Und Lokführer schon einmal gar nicht. Das wird also eng werden  mit dem Getreidetransport über Rostock.

Außerdem brauchen wir ja unsere deutschen Schüttgut-Waggons für den Transport von Kohle in unsere Kohlekraftwerke, weil wir dem Russen gesagt habe, er könne sich sein Gas in den A… schieben. Wenn nicht dieses, dann aber nächstes Jahr. Sie glauben das nicht? Was war denn die Rücknahme der Zertifizierung der betriebsfertigen North Stream 2 Pipeline anderes?

21 mio Tonnen Getreide lagern noch von der letzten Ernste in der Ukraine, ungefähr 20 mio Tonnen der diesjährigen Ernte kommen hinzu -macht zusammen 41 mio Tonnen. Normalerweise transportiert man Getreide in spezialisierten Massengutfrachtern von um die 50.000 Tonnen Tragfähigkeit. Für 41 mio Tonnen bräuchte man 820 Schiffe. Okay, es gibt auch Massengutfrachter von 100.000 Tonnen Tragfähigkeit – sagen wir also: 500 Frachtfahrten… Dann wären die ukrainischen Häfen aber pickepacke voll.

Unter Vermittlung der Türkei und der Vereinten Nationen hat Russland seine Seeblockade gelockert, um den Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer zu ermöglichen. Damit soll ein Nahrungsmittelmangel vor allem in ärmeren Ländern verhindert werden. Kiew will aus „Sicherheitsgründen“ allerdings täglich nur drei Schiffe entsenden.

Die Getreideexporthäfen der Ukraine liegen dummerweise allesamt am Schwarzen Meer. Nach der Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine könnten Getreidefrachter unbeschossen verkehren. Leider liegen im Schwarzen Meer verdammt viele Seeminen, was nicht gut ist. Scheiß-Russen, sagen Sie, haben Sie doch gleich gesagt, dass denen nicht zu trauen ist?

Falsch, die Minen hat die Ukraine gelegt.

Ob es sehr viele Reeder geben wird, die ihre teuren Schiffe in verminte Seegebiete schicken werden, wage ich schon wegen der immensen Versicherungsraten zu bezweifeln. Und selbst wenn sie es täten, wer soll das schließlich bezahlen? Die Empfängerländer sind mehr oder weniger allesamt arm. Frau Bearbock würde vermutlich sagen, dass wir das gerne übernehmen würden.

Constanza in Rumänien wäre ein nicht weit entfernter und gut geeigneter minenfreier Hafen, aber der rumänische Zoll soll sich angeblich fürchterlich anstellen, und die Gleise haben verschiedene Spurweiten. Züge können also nicht verkehren. Genügend LKW scheint es nicht zu geben.

Okay, in Anbetracht der Minen macht ein Getreideexport über Rostock vielleicht sogar Sinn. Wenn unsere Schienen den zusätzlichen Verkehr aushalten. Und wenn gerade Platz ist, denn die Kohletransporte der Bundesbahn sollen ja absoluten Vorrang haben, sagt Wirtschaftsminister Habeck. Das ist jetzt doof für die Hungernden, denn unser warmes Winterhemd ist uns deutlich näher als deren Hunger.     

Glauben Sie nicht? Ist auch kaum zu glauben. Aber wir kaufen ja auch Pakistan deren langfristig bestelltes LNG vor der Nase weg – einfach, weil wir Deutschen im Moment jeden Preis bezahlen. Denn unser warmes Winterhemd ist uns näher als das pakistanische. Pakistan ist weit weg, Pakistan muss die Energiegewinnung eben wieder auf Kohle umstellen. Sagen die Grünen in Person von Habeck und Baerbock. Machen wir doch auch, also was haben diese Pakistanis eigentlich?

 

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